Herta Müller: Vater telefoniert mit den Fliegen

Herta Müller macht auch Collagen. Textcollagen. Wundervolle Textcollagen.

Die Texte wirken sehr einfach: einzelne ausgeschnittene Wörter, sorgfältig auf einer Linie arrangiert und geklebt, dazu ein Bild. Man kann versuchen, das nachzumachen, wird aber scheitern (na gut, ICH bin gescheitert). Das ist hohe Kunst, hinter der sehr viel System steckt.

Herta Müller schneidet einzelne Wörter aus Zeitschriften und Zeitungen aus und sammelt sie in „Wortschränkchen“. Alphabetisch geordnet, auch nach einzelnen Kategorien wie Eigennamen sortiert. Die Autorin beschreibt ihre Vorgangsweise auf ihrer Website genauer.

Diese paar zusammengeklebten Wörter ergeben kleine Geschichten. Geheimnisvolle Geschichten, faszinierend und anziehend.

Beschreiben fällt schwer. Das muss man sehen und lesen. Eine dringende Empfehlung, dies auch zu tun!

Links:

Frankfurter Rundschau: Ein Wort kann uns Halt geben und vernichten.

Zeit online: „Ihre Sätze machen mich froh“

Perlentaucher

Wikipedia

focus online (Buchrezension)

falter.at (Buchrezension)

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Bev Speight: Art Life

Dieser Text wird in gräßlichem Denglisch geschrieben. Das Buch ist nämlich in englisch, und ich bin zu bequem, zu übersetzen. Bedaure, ihr müsst da durch. Oder nicht, wie ihr wollt. Ihr seid gewarnt.

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Also: Der Aufbau entspricht vier „journeys“: Line, book, traces, paper.

„Line“ beschäftigt sich damit, was man aus einer simplen Linie alles gestalten kann. Bilder natürlich, aber man muss ja nicht nur den Stift verwenden. In Frage kommt auch Draht, Schnüre oder Tape Art. Für Tape Art kenne ich tatsächlich keine Übersetzung, gemeint ist Kunst aus Klebebändern verschiedenster Art, angefangen vom einfachen Paketband bis zum Washi-Tape.

„Book“ zeigt, wie man alte Bücher verwerten und zu Skulpturen gestalten kann.

„Traces“ sind Spuren. Sehr spannend (ok, das ganze Buch ist sehr spannend). Die Ränder einer Kaffeetasse auf dem Tisch können der Anfang eines Bildes sein, oder verschütteter Wein. Man kann mit Zweigen oder Wattestäbchen oder umfunktionierten Küchengeräten malen. Es gibt tatsächlich „coffee artists“ wie Gulia Bernardelli

In „Paper“ geht es um jede Menge Anregungen für Collagen.

Das Buch enthält keine Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Es geht nicht darum, irgendetwas nachzuarbeiten, sondern die eigene Kreativität anzuregen. Jedes Kapitel endet allerdings mit weiterführenden Hinweisen auf Künstler oder Buchtipps.

Es ist eine überquellende kreative Fundgrube. Man findet jede Menge Ideen, Anregungen, Denkanstöße. Schon beim ersten Durchblättern entstehen erste Konzepte für etwas Eigenes, dazu kommen (für mich als Laien) überraschende und neue Ansätze. Unglaublich spannend, interessant und lebendig. Nichts ist kompliziert, man kann und soll Alltagsgegenstände verwenden und nicht ein kleines Vermögen im Künstlerbedarfgeschäft ausgeben bevor man anfängt. Keine Materialschlacht, sondern einfach und alltäglich – aber mit einem besonderen Kick.

Ich denke, man merkt es schon: ich bin restlos begeistert. Ein weiteres Buch von Bev Speight wird im Juni erscheinen, ich hab es mir bereits vorgemerkt.

Ach ja: an die Englischkenntnisse werden keine großen Ansprüche gestellt. Kann man mit halbwegs ordentlichen Schulenglisch ohne Probleme lesen.

Homepage von Bev Speight

„Art Life“ – Verlagshomepage

„Fast Art“, das nächste Buch