D.H. Lawrence: Lady Chatterley

Bekannt war mir: erotischer Roman, großer Skandal. Gelesen hatte ich das Buch noch nie, nur vor vielen Jahren gelangweilt darin geblättert. Also Bildungslücke auffüllen.

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Dann die große Überraschung: der Roman ist schlicht großartig. Eine wunderbare Liebesgeschichte, wenn man von den langatmigen Landschaftsbeschreibungen, die aber durchaus zur Geschichte gehören, absieht. Eine Entdeckung!

Die Sexszenen: ja, die gibt es. Geschmack- und stilvoll, manche leidenschaftlich, manche verspielt. Ziemlich realistisch, aber nicht pornographisch. Keinesfalls pornographisch. Heute garantiert kein Skandal mehr. Oder vielleicht doch, da dem weiblichen Orgasmus die eine oder andere Zeile gewidmet wird. Lady Chatterley hat nicht immer einen Orgasmus, sehr erholsam nach den sprudelnden Orgasmen der zeitgenössischen Literatur.

Man sollte dieses Buch allen Frauen, die Shades of Grey lesen, geben. Zwangsweise, von mir aus. Im Doppelpack die Bücher verkaufen, anders den Schund nicht rausrücken. Ich glaube, Connie Chatterley würde diesen Frauen gut tun. Richtig gut. Die wären sicher glücklicher, wenn sie ihrem Liebsten Blumen in die Schamhaare flechten als sich von ihm fesseln zu lassen. Man müsste halt wieder Schamhaare züchten, auch nicht das Schlechteste.

Die letzte Überraschung: Connie leidet an Burn-Out als pflegende Angehörige. Das wird so natürlich nicht geschrieben, aber die Beschreibung ist überraschend deutlich und präzise. Wikipedia verleumdet Connie hier richtig gehend:

„Obwohl er seine Arbeit mit Connie ausschweifend diskutiert, beginnt diese an der geistigen Enge von Wragby Hall zu leiden. Eine Affäre mit dem zu Besuch eingekehrten Schriftsteller Michaelis bringt keine Linderung, weckt aber ihren sexuellen Appetit und erfüllt sie mit zunehmendem Widerwillen gegen die wortlastige und impotente geistige Welt ihres Mannes. Um weniger Zeit mit ihm verbringen zu müssen, engagiert Connie die Krankenschwester Mrs. Bolton, die mit Clifford bald zu einer symbiotischen Einheit verschmilzt.“

Das stimmt so einfach nicht, das ist unzulässig verkürzt und bösartig. Connie pflegt ihren Mann aufopfernd und über eine lange Zeit. Sie ist seine einzige Pflegerin und macht alles, waschen, ankleiden,… Schließlich wird sie aus Erschöpfung krank. Es ist ihre Schwester, die die Einstellung der Krankenschwester erzwingt um Connie zu entlasten. Eine Entlastung, die dringend nötig ist bevor Connie zugrunde geht. Und zur Affäre mit Michaelis kommt es erst nach ausführlichen Gesprächen, in denen Clifford ausdrücklich seine Zustimmung erteilt, dass Connie ein Kind von einem anderen haben kann. Der gute Clifford möchte nämlich sehr dringend einen Erben für Wragby.

U n b e d i n g t  lesen!

Um einiges aufwändiger und differenzierter – aber mir geht es um meinen subjektiven Eindruck, und der konzentriert sich auf die genannten Punkte –  wurde das Buch auf aus.gelesen besprochen.

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