Themenbuchliste Silvester

Listen sind toll. Ich liebe Listen. Deswegen wird es hier gelegentlich Listen mit Büchern zu ausgewählten Themen geben. Immer dann, wenn ich wieder von einem Thema nicht genug bekommen kann und mehrere Bücher dazu lese. Die Listen werden also sehr individuell, um nicht zu sagen, willkürlich sein.

Den Anfang macht das Thema „Silvester“. Ich lese seit einigen Jahren zu Silvester immer ein Buch, in dem dieser Tag eine Rolle spielt. Die Liste enthält eine wilde Mischung aus Krimis, Jugendbüchern, anspruchsvollerer Literatur, Chick Lit etc. Ich habe sie nur grob nach Genres geordnet, ansonsten so gelassen, wie sie gewachsen ist. Fast alle Bücher habe ich gelesen (oder abgebrochen), einige sind auch für meinen persönlichen „Bücherspeicher“ für die nächsten Jahre.

Hier also die Liste:

  • Michael Ende, Wunschpunsch
  • Marcus Sedgwick, Das Buch der toten Tage
  • Judith Kuckart, Wünsche
  • Jan Chrisotphersen, Schneetage
  • Nick Hornby, A Long Way Down
  • Nora Miedler, Warten auf Poirot
  • Patricia Cornwell, Trübe Wasser sind kalt
  • Carmen Mayer, Rauhnächte
  • Volker Klüpfel und Michael Kobr, Rauhnacht
  • Salome Sigel: Alle Rauhnacht wieder
  • Garth Risk Hallberg, City on Fire
  • Veit M. Etzold, Das große Tier
  • Scott Smith, Ein ganz einfacher Plan
  • Ildikó von Kürthy,  Sternschanze
  • Lucy Diamond, Das Jahr, in dem wir alles wagen
  • Amy Silver, Du und ich und all die Jahre.
  • Kerstin Gier, Wolkenschloss
  • Sophia Bergmann, Zum Glück ein Jahr
  • Renate Bergmann, Süßer die Böller nie klingen
  • Tino Hanekamp, So was von da
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Das schönste Buch des Jahres

Dieses Buch ist ein wunderbares Gesamtpaket!

Ich beginne ganz von vorne: Maureen Daly begann in den 1940er Jahren die Arbeit an diesem Roman. Damals war sie 17. Das Buch erschien 1942 , ist bis heute in den USA ununterbrochen lieferbar und gilt als erstes Buch im Genre der Coming of Age-Romane.

In den 70er Jahren bekam der Teenager Anna in Wien den Roman geschenkt. Das Buch  begleitete Anna über Jahrzehnte und prägte ihre Lesevorlieben entscheidend. Heute ist das Mädchen von damals die Buchhändlerin Anna Jeller, eine der besten in Wien.

Im September dieses Jahres gründete sie einen eigenen Verlag:  die Edition Anna Jeller. Als erstes Buch erschien „Siebzehnter Sommer“ und ist damit wieder auf Deutsch erhältlich.

Der Text wurde neu und sorgfältig von   Bettina Obrecht  übersetzt.  Die großartige Coverillustration, in der man wohl auch das Gesicht von Maureen Daly erkennen kann, stammt von Kat Menschik.

Und ach, das Buch ist von außen so wunderschön! Das geschmackvoll gestaltete Cover, das  Papier mit roten Kanten, das Buch ist einfach ein Genuss, wenn man es berührt und in der Hand hält, und es riecht so toll. Ich bin ja kein „Bücherriechmensch“, aber hier hab ich meine Nase öfters in den Seiten. Kurz: ein sinnliches Gesamtpaket. Es fehlt nur eines: Ein Lesebändchen!

Auch die Geschichte hat mich begeistert: die 17jährige Angie hat gerade die Schule abgeschlossen, als sie sich in Jack verliebt. Alles ist neu und aufregend, und es ist Sommer.

Es wird ruhig erzählt. Unaufgeregt, fast zärtlich. Klar und poetisch. Ich fühlte mich zurückversetzt in meinen eigenen Sommer nach dem Schulabschluss, diese Zeit, wo alles im Fließen ist und man einen wichtigen Schritt zum Erwachsenwerden macht.

Edith H. Walton hat das Buch bei Erscheinen so rezensiert:

“By a kind of miracle, and perhaps because she is so close to an experience not easy to recapture, Miss Daly has made an utterly enchanting book out of this very fragile little story — one which rings true and sweet and fresh and sound.”

Fazit: Kaufen! Lesen! Genießen!

Weitere Informationen:

Edition Anna Jeller

Rezension „Wiener Zeitung“

Rezension „Kurier“

Superfly Buchtipp

 

Das für mich schlimmste Cover des Jahres (mit Bonus!)

Ich präsentiere: das Cover, das ich in diesem Jahr am schlimmsten fand. Das Buch erschien in dieser Ausgabe zwar schon 2011, aber ich bin erst 2017 darauf gestoßen.

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Aus meiner Sicht ist das Foto jenseitig. Schlimm kitschig, und dann erst die Farbgestaltung! Gruslig. Das Cover passt auch in keinster Weise zur Geschichte. (Der Titel auch nicht, der klingt viel zu trivial.)

Hilde Spiel beschreibt in „Verwirrung am Wolfgangsee“ eine leichte Sommergeschichte, die tatsächlich am titelgebenden Ort spielt. Von der Atmosphäre her mit „Schloss Gripsholm“ vergleichbar. Wenn ein Roman ein sommerhimmelblaues Cover haben dürfte, dann dieser.

Die Autorin war gerade 24, als sie den Roman veröffentlichte. Sie liebte den Wolfgangsee ihr Leben lang, hatte dort ein Haus und liegt in Bad Ischl begraben. Zu ihrem 100. Geburtstag veröffentlichte der Milena Verlag die vorliegende Ausgabe.

Warum ich die (äußerliche) Scheußlichkeit gekauft habe? Ich habe diesen Sommer meine Liebe zum Salzkammergut wieder entdeckt und einige Zeit dort verbracht. Im Urlaub lese ich gerne Geschichten, die sozusagen „vor Ort“ spielen. So bin ich auf das Buch gestoßen, und ich hatte leider nicht die Zeit, mir eine antiquarische Ausgabe zu suchen.

 

Als Bonus: Romane, die im Salzkammergut spielen

  • Grete Fink: Liesel auf großer Fahrt (Jugendbuch)
  • Alexander Lernet-Holenia: Strahlenheim
  • Barbara Frischmuth*: Die Entschlüsselung
  • Barbara Frischmuth: Die Mystifikationen der Sophie Silber
  • Alfred Komarek**: Die Villen der Frau Hürsch
  • Alfred Komarek: Die Schattenuhr
  • Alfred Komarek: Narrenwinter
  • Alfred Komarek: Doppelblick
  • Johanna Lenz: Frohe Weihnacht, kleiner Streuner!
  • Gustav Ernst: Grundlsee
  •  Beate Maxian: Tote lächeln. Der Attersee Krimi 1

 

* Bei Barbara Frischmuth kann man grundsätzlich immer schauen, ob das Salzkammergut nicht doch eine Rolle spielt – ich habe noch nicht alle ihre Bücher genau daraufhin geprüft

** Das sind die „Daniel Käfer“-Romane von Komarek in der richtigen Reihenfolge. Gibt es auch in einem Sammelband: Daniel Käfer – Alle Salzkammergut-Romane in einem Band.

 

Blaue Weihnachten

Heute gibt es eine Zusammenfassung der letzten „Weihnachtsbücher“ dieses Jahres:

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Ruthe: Das grosse Weihnachtsbuch

Ich mag Ruthe. Mit diesen Cartoons hatte ich ein vergnügliches Stündchen auf der Couch, inklusive viel Lachen. Bilder beschreiben finde ich ziemlich witzlos, weswegen ich auch keine weiteren Worte darum mache.

 

Nicole Beisel: Schneeflockenwünsche

Wenn eine Schneeflocke auf der Nasenspitze landet, darf man sich etwas wünschen. Der Wunsch geht aber nur in Erfüllung, wenn man ihn laut ausspricht.

Das ist die Grundlage der Geschichte. Protagonistin Amy ist Leseratte und Buchhändlerin, aber die Buchhandlung, in der sie arbeitet, soll mit Jahresende geschlossen werden. Kein Wunder, dass sie in diesem Advent nicht besonders gut drauf ist. Außerdem verliebt sie sich in Sam, einen erfolgreichen Autor, der noch zum Abschied eine Weihnachtslesung abhalten wird. Mit einer geheimen Geschichte!

Die Romanidee finde ich bezaubernd. Mit der Ausführung war ich nicht so ganz glücklich. Vieles spielt sich in Amys Innenleben ab. Sie grübelt oft und verrennt sich in ihre Gedanken. Das passt durchaus zu ihrer Persönlichkeit, war mir aber für eine Liebesgeschichte etwas zu viel. Außerdem konnte ich trotzdem nicht alle ihre Handlungen nachvollziehen. Auch die Heimlichtuerei von Mavis, der Chefin der Buchhandlung, blieb mir unverständlich.

 

Cleo Lavalle: Als der Prinz aus dem Märchen fiel

Ich fürchte, mein Beuteschema ist leicht zu durchschauen: auch diesmal geht es um eine Buchhändlerin, Nelli. Auch sie hat Probleme: eine Buchladenkette möchte unbedingt ihre Buchhandlung haben, und das in der Weihnachtszeit.

Nelli liebt Märchen. Eines Abends fällt der Prinz aus dem Buch, das sie gerade liest. Und wie es im Märchen so ist, müssen die beiden nun einige Prüfungen bestehen.

Der Roman spielt zwar zur Weihnachtszeit, im Mittelpunkt steht aber ein Märchen, um das die Handlung aufgebaut ist. Dieses Märchen ist im Buch jeweils an den passenden Stellen (wenn Nellis es liest) abgedruckt und kann auf Wunsch als pdf-Fassung von der Autorin per Mail oder über Facebook bezogen werden.

Mir hat diese Umsetzung eines Märchenthemas in der heutigen Zeit sehr gut gefallen.

 

Vera Griebert-Schröder, Franziska Muri: Vom Zauber der Rauhnächte. Weissagungen, Bräuche und Rituale für die Zeit zwischen den Jahren.

Doch, doch, dieses Buch passt zu Weihnachten. Auch wenn es verschiedene Meinungen dazu gibt, wann die Rauhnächte beginnen, die Zeit ab der Nacht des 24.12. gehört auf jeden Fall dazu.

Mich faszinieren die Rauhnächte seit ich denken kann. Irgendetwas an dieser Zeit spricht mich sehr an, vielleicht nur die festliche Stimmung. Oder  diese eigenartige Mischung aus Christentum und heidnischen Bräuchen.  Wotan, Frau Holle und Christi Geburt stehen mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit nebeneinander. Wenn geräuchert und gebetet wird, um sich vor dem Wilden Heer zu schützen, muss man wohl an den christlichen Gott und Wotan gleichzeitig glauben.

Ich suche schon länger nach passender Lektüre, aber das meiste ist mir zu esoterisch. Volkskundliche Fachliteratur muss es auch nicht unbedingt sein.

In diesem Büchlein ist die esoterische Komponente sehr dezent und im Hintergrund. Dafür gibt es einige Märchen und Beschreibungen von Brauchtum wie Räuchern, Weissagen und Perchten. Die Gestaltung mit Illustrationen und Sternchen auf jeder Seite hat mir ebenfalls zugesagt. Für meine Bedürfnisse perfekt.

 

 

J.K. Rowling: Was wichtig ist

Ich bin begeistert!

Ein schmales Büchlein, das die Rede von Rowling in Harvard 2008 enthält, hübsch illustriert. Mehr nicht.20171223_100105

Eine Rede in Buchform? Die gibt es doch auf YouTube zum Anhören.

Gewiss. Es gibt auch online Transkripte dieser Rede. Ich bevorzuge trotzdem das Buch. Ein geschriebener Text gibt mir die Möglichkeit, innezuhalten und nachzudenken. Die Rede enthält viele Anlässe dazu. Sie inspiriert, sie ist Futter fürs Hirn. Sie verdient, dass man sich mehr Zeit als eine  halbe Stunde nimmt. Ein Text in Buchform geht nicht so leicht unter. Ein Buch steht im Regal, fällt auf, verschwindet nicht unter Links und Likes.

Der Inhalt? Es geht um Scheitern und um das, was man daraus machen kann. Es geht um Phantasie. Es geht darum, wie man sein Leben gut leben kann.

Eine klare Empfehlung!

Johanna Lenz: Frohe Weihnacht, kleiner Streuner!

Zutaten

  • österreichische Autorin
  • Schauplatz: Attersee. Salzkammergut!
  • Weihnachten
  • Katze
  • Liebesgeschichte
  • Protagonistin Katrin ist selbst Autorin
  • Love Interest Dominik nimmt einen durchgeknallten Streunerkater bei sich auf

Für meinen Geschmack sind das köstliche Zutaten. Die Verarbeitung erfolgte routiniert nach einem klassischen Liebesgeschichten-Rezept: Paar findet sich, muss aber bis zum Happy-End einige Schwierigkeiten überwinden, weiters eine Nebenliebesgeschichte nach dem gleichen Schema. Handwerklich sehr in Ordnung, frisch, angenehm zu lesen, mit einer Prise Humor. Gewürzt wurde mit einem wunderbaren Schauplatz, dem Attersee. Dazu noch eine weihnachtliche Kulisse sowie ein völlig durchgeknallter Kater, der genüsslich durch die Geschichte tobt.

Katrin ist erfolgreiche Autorin und hat ein eigenes Leben. Keine dumme Tussi. Sehr fein.

Noch besser: sie schreibt selbst an einem Liebesroman, der auch teilweise abgedruckt ist. Dadurch, dass Katrin über ihren eigenen Text nachdenkt und ihn bewusst gestaltet, entsteht zu der eigentlichen Geschichte eine freundliche, ironische Distanz.

Fazit: solide Unterhaltung. Nur das Coverbild ist schrecklich.

 

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