Joanne Fedler: Heisshunger

Ein sehr, sehr zorniger Leseabbruch auf Seite 310 von 461. Diesmal habe ich wirklich lange durchgehalten, ich wollte nicht einsehen, dass das, was am Cover versprochen wird, nicht eingelöst wird.

Um es anders auszudrücken: wenn ich mir ein Sackerl Chips kaufe, es öffne und Schokolade darin finde, bin ich sauer. Stinksauer. Und ich habe nicht die geringste Lust, mich mit der Qualität der Schokolade auseinanderzusetzen.

Die Gründe für meinen Ärger im Detail:

Schon der Titel ist ein völliger Fehlgriff. Der englische Originaltitel lautet „When hungry, eat!“. Da steckt eine völlig andere Philosophie dahinter als bei „Heisshunger“. Zu essen wenn man hungrig ist, ist eine gesunde, normale Reaktion. Heisshunger ist eine ganz andere Sache, etwas, das zeigt, dass man entweder etwas bei der Ernährung falsch macht oder Bedürfnisse, die nichts mit Nahrung zu tun haben, stillen will.

Cover und Klappentext sprechen eine klare Sprache: das ist ein Buch übers Abnehmen, hier wird eine Diätgeschichte auf Chick-Lit-Niveau erzählt. Genau das wollte ich. Genau das habe ich nicht im Entferntesten bekommen.

Es geht um Joanne Fedlers Lebensgeschichte. Sie ist mit ihrer Familie wegen der überhand nehmenden Gewalt von Südafrika nach Australien ausgewandert und berichtet dies ausführlich samt Ausflügen in die Familienhistorie und das jüdische Leben, insbesondere das so gar nicht diättaugliche Essen. Dazu gibt es noch jede Menge „Spirituelles“, das ich sowieso schwer aushalte. Für eine Juristin (ok, dass sie einen der besten Juristen aller Zeiten, Hans Kelsen, kurz erwähnt, hat mir schon gefallen) sind das schon arg naive Gedanken über Gott… aber von mir aus.
Abnehmen und Diät? Zwischendurch, beiläufig, eher wenig, ganz bestimmt nicht das Hauptthema.

So. Ich wollte eine Geschichte übers Abnehmen und lande in Südafrika zu Zeiten der Apartheid. Das ist heftig und unfair. Lange habe ich gehofft, dass Fedler die Vorgeschichte zu ausufernd erzählt, dem Leser ihre seelischen Befindlichkeiten, die zum Zu- und Abnehmen führten, näherbringen will. Aber auf Seite 310 habe ich jede Hoffnung verloren, dass ich die Story, die angekündigt wurde, auch bekommen werde.

Dann lese ich eben weiterhin die Abnehmblogs von Sudda Sudda, torenia, Trinchen und Xana. Da gibt es keine falsche Versprechen.

Fazit: Die Geschichte, die versprochen wird, wird nicht erzählt. Daher ist das ein schlechter Roman, basta.

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