Andrea Voß: Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens

Nach den letzten Büchern, die mich überhaupt nicht begeistern konnten, bin ich endlich wieder auf ein echtes Highlight gestoßen. Eine bezaubernd-verschrobene Liebesgeschichte, einfach wunderbar.

Perdita Kellermann hat schlechte Erfahrungen mit der Liebe und dem Drama gemacht und beides völlig aufgegeben. Statt ihres Jobs bei einer Talkshow geht die studierte Literaturwissenschaftlerin putzen, Kino und Lesen verbietet sie sich ganz. Allerdings gestattet sich Perdita das harmlose Schwärmen und hat eine kleine Affaire mit dem durchaus anziehenden Osman.
Überraschenderweise wird sie gerade von dem Mann, für den sie heimlich schwärmt, in einer Vollmondnacht auf einem Klettergerüst angesprochen. Alf ist zwar ein klassisch-attraktiver Liebesromanheld, hat aber einige wesentliche Minuspunkte. Er ist (trockener) Alkoholiker und (noch) verheiratet.
Perdita gestattet ihm, sie anzurufen. Gesprächsthema sind meist Stummfilme.

Außerdem wird in Rückblenden sowohl Alfs als auch Perditas Vorgeschichte erzählt. Traurige Kindheit, natürlich.

Klingt ziemlich überladen, oder? Funktioniert aber blendend, ich habe oft lächelnd gelesen und wollte unbedingt wissen, wie’s weitergeht. Denn Voß ist etwas gelungen, das mir nur sehr selten passiert: ich hatte keine Ahnung, in welche Richtung die Geschichte gehen soll und was daraus werden könnte. Na gut, mit einem Happy-End habe ich schon gerechnet, dennoch haben mich beide Protagonisten immer wieder überraschen können. Ach, und die Szenen, in denen die beiden miteinander reden, waren sooo schön. Gleich am Anfang plaudern die zwei zB über Zigarettenschachteln, und es knistert trotzdem gewaltig. Hinreissend. Oder die Beschreibung von Filmszenen – so lebendig, so klar, dass ich sie unbedingt bei YouTube suchen musste und selbst sehen. Im Gegensatz zu „Unser allerbestes Jahr“ fügen sich die Filmszenen auch nahtlos in die Geschichte ein und ergeben ein harmonisches Ganzes.
Ach, und der Umgang mit den Nebenfiguren ist ebenfalls bemerkenswert. Jede ist liebevoll ausgearbeitet, hat ihre Funktion und wirkt dennoch nicht aufgesetzt. Hübsch, wie zB der „Mephisto“ von der Operettenparty später wieder auftaucht und noch eine Rolle spielt.

Nicht zuletzt hat mir die Sprache gut gefallen.Vor allem, dass (passend!) altmodische Wörter wie abgeschmackt oder kokett verwendet werden.

Kleines Manko: nicht alle Erzählstränge werden sauber aufgelöst, Alfs Freund Rainer bleibt zB ein bisschen „in der Luft hängen“. Das Ende ist trotzdem in Ordnung und befriedigend.

Fazit: eine charmante Liebesgeschichte, allerdings ein bisschen verschroben, das muss man mögen.

Leselust
grauMaus
ciao
Verlagshomepage mit Leseprobe

Zum Abschluss noch ein wenig Greta Garbo und John Gilbert… passt gut zum Buch:

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2 Gedanken zu “Andrea Voß: Fräulein Kellermann und die Kunst des Schwärmens

  1. Ein echtes Mädchenbuch! Ich kann es jeder Frau ans Herz legen, die Interesse an zarten Seelchen und interessanten Konversationen hat. Es lädt zum Träumen ein und lässt so einige, bittere Erfahrungen für kurze Momente vergessen sein.

    Ich fand Perdita Kellermann so toll, dass ich sie sogar schon einige Male verschenkt habe.

    btw: Ich kam nie auf die Idee, Inhalte des Buches bei Youtube zu suchen- zu schade.

    Grüße von der grauen Maus, die auch viel Zeit mit Schwärmen verbringt, weil Liebe es nie aufgewogen hat.

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