Maggie Stiefvater: Nach dem Sommer

Ich spanne euch nicht auf die Folter: mir hat das Buch nicht so außerordentlich gut gefallen wie vielen anderen Bloggern. Die Lektüre war ok, aber nicht mehr. Bereut habe ich sie nicht, es hat mich allerdings nicht mitgerissen oder sonderlich berührt. Nur eine weitere Young-Adult-Story für die ich mich einfach zu alt und zu wenig romantisch fühle.

Die Inhaltsangabe hat mich ja von Anfang an skeptisch gemacht: Grace ist 17. Seit sie vor sechs Jahren von Wölfen verschleppt, gebissen und von einem Wolf doch noch gerettet wurde, beobachtet sie jeden Winter die Wölfe. Im Sommer verschwinden sie spurlos.
In dem Herbst, in dem die Geschichte einsetzt, wird ihr Mitschüler von Wölfen angegriffen und getötet (so ist zumindest die allgemeine Meinung). Zu Graces Entsetzen findet deswegen eine Wolfsjagd statt – und kurz darauf liegt ein angeschossener Junge, Sam, vor ihrem Haus. Grace erkennt “ihren” Wolf, eine Liebesgeschichte beginnt. Dramatik entsteht dadurch, dass sich Sam bei Kälte in einen Wolf verwandelt und den beiden nur wenig Zeit bleibt.

Hmmm. Und das soll knapp über 400 Seiten füllen? Das tut es durchaus. Stiefvater erzählt langsam, sie lässt sich Zeit mit der Liebesgeschichte. Die ist ganz in Ordnung, bitter-süß, von den Fantasy-Elementen abgesehen glaubwürdig-realistisch, ganz niedlich. Die Protagonisten sind sorgfältig gestaltet und handeln in sich logisch. Obwohl es in der Geschichte selbst den einen oder anderen Logikfehler gibt, ein Beispiel: einerseits hören die Werwölfe sehr gut, andererseits telefoniert Grace neben Werwolf Jack, ohne dass der mithören kann, was am anderen Ende der Leitung gesagt wird.

Von der Sprache war ich nicht so angetan. Besonders am Anfang hat es Stiefvater mit poetischen Vergleichen ziemlich übertrieben. Sätze wie “Meine Notizen flatterten zu Boden wie erschöpfte Vögel” sind keine Ausnahme. Das ist mir zu bemüht, zu übertrieben, zu sehr ins Kitschige gehend.

Außerdem finde ich es nicht kreativ, wenn klassische Mythen umgedeutet werden um überhaupt den Plot zu ermöglichen. Stiefvater muss am Werwolf-Mythos basteln (kein Vollmond, sondern die Kälte) um ihre Geschichte erzählen zu können. Mehr beeindruckt hätte es mich, wenn die Autorin innerhalb der klassischen Grenzen etwas Neues geschaffen hätte.

Fazit: nette Geschichte, mehr nicht.

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2 Gedanken zu “Maggie Stiefvater: Nach dem Sommer

  1. Schade, dass es dir nicht so gut gefallen hat, aber nach deinem Kommentar dazu im „Lucy in the Sky“-Artikel hatte ich es schon befürchtet.

    Unbestreitbar ist die Sprache sehr metaphorisch, und normalerweise reagiere ich auf sowas auch eher allergisch (bei Marzi beispielsweise); in diesem Fall fand ich es aber nicht zu übertrieben. Ich kann aber grundsätzlich völlig verstehen, dass die Metaphorik anderen Leuten zu viel ist.

    Interessant finde ich, dass du die Umdichtung klassischer Mythen kritisierst. Abgesehen davon, dass es m.E. gar nicht DEN Mythos gibt (wobei die Zwangswandlung bei Werwolfmythen zugegebenermaßen immer mit einer bestimmten Mondphase zusammenhängt), fand ich die Idee mit der Temperatur wirklich klasse, weil das mal was ganz anderes war. So scheiden sich dann die Geister! 🙂

  2. leselustfrust schreibt:

    Ich finde, dass die Metaphorik im Laufe des Buches ohnehin erträglicher wird. Vielleicht gewöhnt man sich daran, oder Stiefvater hält sich mehr zurück?

    Viel mehr gestört haben mich die logischen Mängel. (Achtung an den Rest der Welt, jetzt spoilere ich).
    Ich hab zB sehr irritiert darauf gewartet, dass Olivia SOFORT ins Wolfhaus gebracht wird. Aber das läuft nur so nebenbei, während sie sich um Jack ganz hysterisch kümmern. Was soll das?

    Jo, dass ich mit meiner „bleibt bei den klassischen Mythen“-Meinung eher die Minderheit vertrete, ist mir eh klar. Nur nervt’s mich generell, wenn jeder Fantasy-Autor an den Mythen herumbastelt. Tut jeder, ist fad. Sehr stark ist mir das aufgefallen, als ich Sedgwick gelesen habe, der die Sagen recherchiert und nicht umdeutet. DAS ist beeindruckend.

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