Mein Blog-Credo

Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich überhaupt noch die Werke deutschsprachiger Gegenwartsautoren besprechen soll. Wie diese Überlegungen ausgegangen sind, habt ihr ohnehin schon bemerkt, sonst würden hier einige Besprechungen fehlen. Ich habe mich auch entschlossen, weiterhin deutschsprachige Krimiautoren zu erwähnen. Mein Blog-Konzept sieht einfach vor, ALLE Bücher, die ich gelesen habe, auch zu besprechen. Ich möchte nach wie vor diesen Überblick und diesen externen Erinnerungsspeicher haben. Wenn ich die deutschsprachigen Autoren streiche, spare ich einen wichtigen Teil aus. Ich interessiere mich nun mal für die Gegenwartsliteratur in meiner Muttersprache, und ich liebe Krimis die an Orten, die ich kenne, spielen. Nein, ich lasse mir nicht den Mund verbieten und ich zensuriere mich nicht selbst. Auch wenn ich zugebe, dass ich jetzt ein mulmiges Gefühl habe.

Nur positive Besprechungen zu bloggen kommt für mich auch nicht in Frage. Ich weiß, dass es Blogger gibt, die bewusst nur die „Perlen“ vorstellen, und ich kritisiere diese Konzepte nicht so lange sie deutlich offen gelegt werden. Nur schöne Bücher zu besprechen hat durchaus seinen Reiz.

Nur: ich stehe dazu, dass ich kritisch bin. Eben weil ich leidenschaftlich gern lese. Wer Lesen liebt weiß, dass es nicht nur gute Bücher gibt. Es gibt auch Zumutungen und viel, viel Lauwarmes. Wer neugierig ist wie ich, sich nicht selbst mit seinem unfehlbaren Geschmack schmeichelt und immer wieder bewusst Leserisiken eingeht kann gar nicht ausschließlich gute Bücher lesen. Das ist die Realität. Nach (ähm, knapp) über 30 Jahren Lesen und drei Jahren Lesen und Bloggen ist das für mich sehr deutlich geworden.

Das soll heißen: es bleibt alles so, wie es ist. Subjektiv, persönlich, nach meinem Geschmack (der nach ein paar hundert Besprechungen doch einschätzbar sein sollte), meistens deutlich, manchmal unentschlossen, auch abgebrochene Bücher (Auch wenn das nicht jedem gefällt. Meine Versuche, mich durchzuquälen, haben bis jetzt nur zu einem Ergebnis geführt: es wird nicht besser), ehrlich. Ein privates Blog eben. Ich darf das. Jeder darf das. Das ist das Schöne, wenn man in einem freien Land lebt. Die Grenzen der Meinungsfreiheit sind weit, und sie zählen eben dann, wenn es Kontroversen gibt. Verboten sind nur die strafrechtlich relevanten Dinge wie Beschimpfungen oder Verleumdungen, aber diese Art von „Kritik“ interessiert mich ohnehin nicht.

Mein Standpunkt ist der der Leserin. Der Vielleserin, der Vielkäuferin. Als Leserin steht mir ein Urteil über meine Lektüre zu, auch ein öffentliches.

Das hier sind keine Zeitungsartikel und keine Seminararbeiten. Daran will ich mich gar nicht messen. Es verblüfft mich, dass ich das nochmals verdeutlichen muss. Damit es ganz klar ist, es handelt sich auch nicht um Romane, nicht um Lyrik, nicht um Theaterstücke, nicht um Kurzgeschichten, nicht um Tweets. Das ist ein Blog!

Ich werde mich gerne mit ernsthafter Kritik auseinander setzen, denn es gibt zu jedem Buch mehr als eine Meinung. (Sollte jemand das Buch, das ausnahmslos jedem gefällt, entdecken: her damit! Ich zahle Höchstpreise!)
Ich werde aber auch ab sofort jede Kritik, die ein gewisses Niveau unterschreitet, unbeantwortet lassen.

Das alles hat nichts mit einem bestimmten Buch zu tun. Mir war nur danach, mein Credo nochmals zu verdeutlichen.

Ich habe allerdings ein paar Wochen lang keinen österreichischen Krimi angerührt, mir war das Genre verleidet. Zeller und Loibelsberger haben Staub angesetzt indessen. Wie war das mit der Selbstzensur? Nicht mit mir! Das lasse ich nicht zu.

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16 Gedanken zu “Mein Blog-Credo

  1. Warum wollen Sie sich zensurieren und Ihr Blogkonzept verändern?
    Ich denke, daß der Sinn des privaten Bloggens ohnehin nur darin liegen kann, für sich selbst ein Erinnerungsarchiv zu eröffnen, wenn jemand anderer daran teilnimmt und sagt, das sehe ich auch so oder anders, um so besser!
    Daß das mit dem Kritisieren schwierig ist, haben wir in letzter Zeit bemerkt, deshalb habe ich für mich die Form gefunden, einfach den Inhalt und das Hintergrundwissen zu erzählen, ob mir das Buch gefallen hat, kommt trotzdem heraus, aber auch diese Besprechungsform ist sicher angreifbar.
    Und wenn Sie Bücher weglassen, können Sie sich später nicht mehr daran erinnern und vielleicht interessiert sich Ihre Großnichte in fünfzig Jahren für das, was Sie gelesen haben.
    Und lesen Sie auch ruhig Wiener Krimis weiter, auch die bewußten, die ich eigentlich für gut halte, auch wenn das Drumherum nicht stimmt.
    Diesen Krimi mit der alten Frau finde ich sehr interessant und ohne Ihren Blog hätte ich nicht davon efahren und es gibt ja noch mehr sozialkritisch Aktuelles.
    Am 8. September wird der neue Rossmann Krimi in der Carla am Mittersteig vorgestellt. Kommen Sie da hin?

  2. Dein Blog zählte zu den ersten, die ich regelmäßig gelesen habe, und ich surfe ihn nach wie vor mindestens einmal täglich an. Der Grund, warum ich ihn so mag und warum er niemals in der Masse der Blogs über Bücher untergehen wird: Er ist anders als die meisten anderen, sowohl was die vorgestellten Bücher als auch die Artikel angeht (die ja allein schon aus formalen Gründen nicht den Anschein erwecken, als würdest du dich als meinungsmachenden semiprofessionellen Kritiker betrachten). Ich persönlich schätze deine Besprechungen sehr, weil sie individuell, manchmal unbequem, aber immer ehrlich sind. Deshalb hätte es auch sehr schade gefunden, wenn du dein Konzept geändert hättest (das m.E. völlig offensichtlich und nachvollziehbar ist), nur weil er eine oder andere nicht mit deiner deutlich ausgewiesenen „strikt subjektiven Meinung“ umgehen kann.

  3. Ich kann mich Irina auch nur anschließen: Blogs die alle dieselben Bücher vorstellen und ausschließlich alles SUPI finden gibt es wahrlich genug. Bitte weiter so wie bisher! Ehrlich, authentisch und ohne schlechtes Gewissen, dass jemandem das nicht passt. Man kann es nicht allen recht machen und ich schätze, das wollen wir auch garnicht 😉

  4. leselustfrust schreibt:

    Dankeschön für den Zuspruch und das Lob! Und keine Sorge, die Entscheidung fürs Beibehalten ist eh endgültig gefallen. 😉

    Trotzdem finde ich es nicht so schlecht, dass ich zum Nachdenken gezwungen war. So einmal im Jahr schadetes keinem Blogger zu prüfen, ob die ursprünglichen Ideen noch stimmig sind.
    Die Computerprobleme haben mir aber mehr als deutlich gezeigt, wie sehr ich meine gewohnte Routine vermisst habe.

  5. Evi schreibt:

    Gute Entscheidung! Ich freu mich auf viele weitere Buchbesprechungen von dir, die ich ja immer wieder gerne lese, auch wenn die meisten Bücher nicht meinen Lesegeschmack treffen. Das macht aber nix, denn deine Gedanken und Formulierungen heben sich wohltuend von der breiten Masse ab – und allein das ist schon lesenswert!

  6. Vorweg: ich bin absolut deiner Meinung. Für mich ist es auch eine Frage der Authentizität, ob man auch kritisch sein kann.
    Was mich nur interessiert ist, was die Motivation zu diesem Beitrag war. Es klingt nach unschönem Gegenwind – gab es den?

    LG
    Ailis

  7. leselustfrust schreibt:

    Ja, gab es.

    Aber das Überdenken, wie mein Blog ausschauen soll, mache ich ohnehin, immer so um den Bloggeburtstag herum. Mit der Frage, ob ich wirklich zu jedem gelesenen Buch etwas schreiben soll, habe ich mich schon länger beschäftigt – das ist doch recht aufwändig. Aber als dann der Computer nicht funktionierte und ich es plötzlich nicht mehr machen konnte, hat’s mir gefehlt.

  8. Ich stimme dir bei dem, was du sagst zu. Ich finde negative Kritiken machen das ganze sogar noch interessanter.

    Und auf Kritik, die nicht begründet, sondern nur à la „dann hast du wohl nicht richtig verstanden“ aufgebaut ist, sollte man nicht eingehen. Es gibt nicht DEN Sinn, den der Autor in ein Buch gepackt hat, es gibt nur das was der jeweilige, individuelle Leser daraus für sich zieht.

  9. entegut schreibt:

    Gerade weil du kritisch bist und deine Meinung schreibst, lese ich hier so gerne und nehme einige deiner besprochen Bücher als Anregung, sie zu lesen.
    Du sparst in deinem Blog nicht mit Lob, gehst aber sehr kritisch damit um, wann du es aussprichst. Andererseits sagst du auch klar und deutlich, wenn dir ein Buch nicht gefallen hat. Da muss keiner zwischen den Zeilen lesen, wie es gemeint ist, sondern es ist Sache.
    Bravo!
    Wie im Leben, so auch im Blog – couragiert zu seinem Wort stehen und sich nicht weichwaschen lassen.

    Die akribische Sammlung von gelesenen Buchinhalten kann ich nicht ganz verstehen. Muss ich auch nicht. Ich mag die Art wie du Bücher beschreibst – machst keine literarische Doktorarbeit über parallel oder gegenläufige Handlungsstränge, Protagonisten und weiteres Blabla. Du machst Lust auf’s Lesen, ganz ohne Frust!
    Ganz liebe Grüße!
    die Ente 😉

  10. leselustfrust schreibt:

    Akribisch ist schon übertrieben… es hat sich so entwickelt, war ursprünglich nicht so geplant. Und wenn ich keine Lust dazu hätte, würde ich es nicht machen. Aber inzwischen gehört es einfach dazu…

    Nochmals danke für all das Lob! Ich will’s ja gar nicht allen rechtmachen, aber irgenwem sollte es schon gefallen. 😉

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