Gayle Forman: Wenn ich bleibe

Irinas Besprechung und ihre deutlich merkbare Begeisterung für das Buch haben mich verleitet, es mir auf der Stelle zu bestellen. Etwas skeptisch war ich schon – heilloser Gefühlsaufruhr und Tränen bei der Lektüre passieren mir so gut wie nie.

Diesmal schon. Irina hat in allen Punkten vollkommen Recht. „Wenn ich bleibe“ führt somit die kurze Liste der Bücher, bei denen ich geweint habe, mit großem Abstand an.

Es geht um Mia, 17 Jahre alt, begabte Cellistin, glücklich verliebt in Adam, dazu noch eine liebevolle Familie. Alles perfekt, bis ein Autounfall an einem verschneiten Februartag alles ändert. Mias Eltern sterben sofort, ihr kleiner Bruder verliert den Kampf um sein Leben, und Mia liegt im Koma. Ihr Geist hat sich von ihrem Körper getrennt, sie verfolgt die Bemühungen der Ärzte und Schwestern, sieht Familie und Freunde, und vor allem muss sie sich entscheiden: gehen oder bleiben?
Mia erinnert sich in Rückblenden an ihr bisheriges Leben, an ihre Beziehung mit Adam, an die Geburt ihres Bruders, an ihre Liebe zu klassischer Musik, an ihren inneren Konflikt, wie ihr weiterer Weg aussehen soll.

Der zeitliche Rahmen der Geschichte ist eng gesteckt. Sie beginnt um 7:09 Uhr mit dem harmonischen Familienfrühstück vor dem Unfall und endet am nächsten Tag um 7:16 mit Mias Entscheidung im Krankenhaus. Die eigentliche Handlung (denn die Rückblenden erzählt Mia in der Ich-Form) spielt sich fast nur im Krankenhaus ab. Forman hält sich also recht eng an die Einheit von Zeit, Ort und Handlung, was sicher ein Grund für die emotionale Dichte des Buches ist.
Die eigentliche Leistung ist aber, dass sie es schafft, über die familiäre Katastrophe ohne Pathos und Sentimentalität zu schreiben. Und sie spielt mit den Emotionen des Lesers genauso gut wie Mia es auf ihrem Cello tut. Unglaublich. Kein Kitsch, keine unechten Gefühle. Einfach eine berührende, wunderbar erzählte Geschichte.

Schlimm ist nur das Cover. Himmelblau mit weiß und einer kleinen Blume. Ahern-Alarm! In der Buchhandlung hätte ich diesem Buch keinen zweiten Blick gewidmet.
Auch der Klappentext ist misslungen. Es wird zu viel verraten: dass Teddy stirbt, wird Mia erst sehr spät bewusst. Der Leser weiß es, einerseits aus dem Klappentext, andererseits, weil es nicht schwer ist, die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Ich möchte bitte NUR letzteres tun.
Außerdem wird Mias Konflikt zwischen Ausbildung und Liebe erst gegen Ende des Buches thematisiert, nach dem Klappentext habe ich dies viel früher erwartet.

Fazit: Ein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte, das mich tief berührt hat und ausgesprochen gut erzählt ist.

Homepage zum Buch
Gesellschaft Freunde der Künste
Büchereule
the whole kit and KABOODLE

3 Gedanken zu “Gayle Forman: Wenn ich bleibe

  1. Ich bin richtig erleichtert, dass dir das Buch auch gefallen hat! Ich neige ja bekanntermaßen üblicherweise nicht zu überbordender Begeisterung, aber wenns dann mal vorkommt und das Buch sogar aufgrund meiner Rezension gekauft wird, dann hoffe ich schon inständig, dass andere es ebenso toll finden.

    Das mit dem Cover stimmt übrigens: Es ist ganz schön »irreführend« und hätte mich beinahe dazu verleitet, das Buch ungelesen weiterzuvertauschen.

    1. lara schreibt:

      ich habe mir dieses buch in hastings also auf englisch gekauft. dort ist auch das cover ein anderes, mit dem spruch „living’s all about making choices. dying’s no different…“ oft kaufe ich bücher nur wegen dem cover. dieses gefiel mir sehr gut.

  2. leselustfrust schreibt:

    Ich glaube, ich kann inzwischen deinen Geschmack ganz gut einschätzen, und er ist meinem in vielen Dingen ähnlich. Wenn du mal begeistert bist, heißt das schon viel. Sonst hätte ich mir das Buch ja nicht auf der Stelle gekauft. 😉

    Und keine Sorge, ich gebe niemanden die Schuld, wenn mir ein positiv besprochenes Buch nicht gefällt. Bei „Wenn ich bleibe“ kannte ich das Risiko, weil mir Bücher mit ähnlicher Thematik wie „In meinem Himmel“ oder „Ich hätte es vorgezogen zu leben“ nicht gefallen haben.

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