Kirsten Marohn: Lappalie

Jasmin Bolger lebt in geordneten Verhältnissen: seit zwölf Jahren verheiratet, Job und Hund mag sie, ihre Chefin ist ihre beste Freundin.
Doch unter der glatten Oberfläche brodelt es. Die Ehe liegt in Trümmern. Jasmin erträgt körperliche Nähe nur schwer. Henrik, ihr Mann, ist ein Papa-Söhnchen, lässt sich vom Vater aushalten und betrügt Jasmin. Vor zwölf Jahren wurde Jasmin von ihrem Schwiegervater zu Silvester vergewaltigt.
Zu allem Überfluss verbringt Jasmin auch noch mehr Zeit mit ihrem Schwager als mit ihrem Mann.
Weihnachten naht, und es ist an der Zeit, endlich die Dinge in Ordnung zu bringen.

Diese Inhaltsangabe klingt eigentlich nach einer turbulenten Geschichte. Das ist sie aber nicht. Es ist ein ruhiger Roman, die Handlung ist, von den Rückblenden abgesehen, auf wenige Tage konzentriert und wird auf langen Strecken von Dialogen getragen. Die Autorin lässt sich in manchen Szenen viel Zeit – zu viel, dachte ich zuerst. Im Rückblick erscheint mir das aber als passendes Stilmittel, um eine Alltagsgeschichte, die dann doch nicht so alltäglich ist, zu erzählen. So werden die Gefühle der Protagonisten gut nachvollziehbar und verständlich, und genau das macht den Reiz des Buches aus.

Die Figur der Jasmin Bolger ist sorgfältig ausgearbeitet und bleibt bis zuletzt glaubwürdig. Henrik, das Papasöhnchen, wirkt daneben aber fast wie eine Karikatur.

Auch wenn mir der Roman über weite Strecken gefallen hat, so sind mir doch einige negative Kleinigkeiten aufgefallen:
Als Jasmin nach ihrem Unfall in Svens Wohnung aufwacht, wird mehrmals erwähnt, dass die Sonne gerade farbenprächtig untergeht. In der kurzen Zeit, in der sie mit Sven spricht und Kaffee kocht, ändert sich das Wetter blitzartig: plötzlich schneit es aus einem tiefschwarzen Himmel. Hmmm….
Seltsam fand ich auch den kurzen Perspektivenwechsel, als plötzlich aus der Sicht des Hundes erzählt wird. Wozu? Dass Henrik Jasmin betrügt, hat man als Leser längst verstanden.
Nicht nachvollziehbar ist, warum der Schwiegervater auf einmal beichtet und Sven den Brief schickt. Das passt überhaupt nicht zu diesem Menschen, und wenn schon Brief, warum an Sven und nicht an Henrik? Schade, dass man als Leser nicht zumindest die Einleitung dieses wichtigen Briefes erfährt.

Fazit: ein interessantes Debut mit kleineren Schwächen.

Website von Kirsten Marohn (mit Leseprobe)
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