Edith Kneifl: Schön tot

Ich bin stinksauer. Gefreut habe ich mich auf einen Wien-Krimi, der im 5. Bezirk spielt, bekommen habe ich eine Werbeschrift der ansässigen Kaufleute und anderer Unternehmen. Als Weihnachtsgeschenk der Unternehmer an ihre Kunden wäre es eine liebenswerte Werbeidee gewesen, so ist es eine Unverschämtheit, für die ich fast 18 Euro bezahlt habe.

Der „lebendige“ Hintergrund, von dem im Klappentext gesprochen wird, bedeutet nämlich im Klartext: der Plot ist darauf aufgebaut, die Unternehmen zu beschreiben. Die Protagonistin ist die ganze Zeit damit beschäftigt, in Lokalen herumzuhängen und Einkäufe aller Art zu tätigen, den Friseur zu besuchen, ihren Laptop zur Reparatur zu bringen und Ähnliches, die Krimihandlung bleibt Nebensache. Fast alle Geschäfte und Lokale werden ausführlich vorgestellt und namentlich genannt, die dahinter stehenden Personen äußerst positiv portraitiert.

In Regionalkrimis ist es durchaus üblich, auch Händler oder zb Kaffeehäuser zu benennen, aber nicht in dieser Ausführlichkeit. So wird eine 5erCity-Werbebroschüre daraus, und für so etwas möchte ich kein Geld bezahlen.

Haymon Verlag
Homepage von Edith Kneifl
Wiener Einkaufsstraßen

7 Gedanken zu “Edith Kneifl: Schön tot

  1. Huh, und ich wär fast zur Buchpräsentation gegangen, weil ich ja auch in dem Viertel wohne und viele Locations kenne, aber diese Art von Schleichwerbung geht ja gar nicht, das finde ich außerdem ziemlich mühsam für die Leser, die ja spannende Handlung wollen!

    lg Claudia

  2. Haben Sie das nicht bei dem Krimi „Blutgasse“ auch gerade so beschrieben?
    Ich bin ja nicht so eine besondere Krimiexpertin, denke aber, da vielleicht einen Trend zu entdecken.
    Krimis hört man, lesen die Leute gern, die Autoren schreiben sie deshalb bevorzugt und daß da die Kaufleute auf die Idee kommen, sich einen Krimi als Werbebroschüre zu bestellen, erscheint auch logisch.
    Die Leser müßten sich dagegen stellen, denke ich und sagen, das wollen wir nicht, sonst kann das wirklich eine unangenehme Eigendynamik entwickeln, wo die Literatur überbleibt.

  3. leselustfrust schreibt:

    Nein, die Erwähnungen von Lokalen in „Blutgasse“ sind nicht übertrieben. Es ist ja auch in Ordnung, den Protagonisten in einem bestimmten Kaffeehaus seine Melange trinken zu lassen.

    Was mir allerdings diesen Monat schon das zweite Mal auffällt, ist ein unpassendes Preis-Leistungs-Verhältnis. „Der Winterwundermann“ hat für 143 Seiten Geschichte (der Rest ist Leseprobe) 13,40 Euro gekostet. „Schön tot“ wäre auch ohne die Werbeorgie zu teuer gewesen: ein Hardcover, die Geschichte endet auf Seite 166, danach kommen noch zehn Rezepte. Das Ganze kostet 17,90 Euro.
    Bei den Büchern, die ich kaufe, werde ich wohl stärker darauf achten müssen, was ich für welchen Preis bekomme.

  4. Mir ist nachher noch aufgefallen, daß beide Bücher im Haymon Verlag erschienen sind, vielleicht springen die wirklich auf die Schiene, Wien Krimi für Wien Touristen auf, weil sie glauben, daß sie dadurch viele Leser finden.
    Was mich an Krimis stört sind die vielen Morde, die ja zum Glück nicht wirklich realistisch sind, da interessieren mich die Alltagskatastrophen mehr, daß ich zum Beispiel die Polizei rufe, weil mein Freund suizidätsgefährdet ist und die erschießt ihn dann, da frage ich mich schon, hat das der Betreffende so gewollt, um der Polizei eines auszuwischen oder ist das zufällig passiert, auf jeden Fall spricht das nicht sehr für die psychologische Schulung der Polizei, die es ja angeblich gibt

  5. Leider habe ich mir Ihren Kommentar vor dem Kauf des Buches nicht durchgelesen, sondern erst während des Lesens nach Rezensionen gesucht um mein Gefühl bestätigt zu wissen. Ich mag ja Wien Krimis, aber ich bin auch schon oft enttäuscht worden. So auch hier. Als Margaretnerin kenne ich alle Lokale und Geschäfte, die die Protagonistin besucht. Daher bin ich ganz baff, was man sich alles als Kellnerin leisten kann ohne wirklich viel zu arbeiten. Vielleicht habe ich aber einen Urlaub überlesen. Bei der Spannung wäre das kein Wunder. Ich verstehe, dass bei einem „Auftragswerk“ die Geldgeber erwähnt werden, aber ein bisschen über den Margaretner Horizont könnte man schon hinausblicken. Nett finde ich die Geschichte mit der Schütte-Lihotzky Wohnung, wobei mich interessierte, ob sie zu besichtigen ist oder wirklich weitervermietet. Abschließend fällt mir ein, dass viele Tourist*innen nach Ystad fahren um auf den Spuren von Henning Mankell’s Kommissar Wallander zu wandeln. Aufgrund dieses Buches wird uns das in Margareten nicht passieren.

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