Marianne Eschbach: Mirandas Traum

Dieses Buch habe ich bei Verlorene Werke gewonnen. Der Postweg war abenteuerlich, beim ersten Versuch ging das Buchpackerl retour weil ich angeblich nicht an meiner Adresse wohne, beim zweiten Mal klappte die Zustellung. Natürlich habe ich mich bei der Post beschwert und gelernt, dass Beschwerdemails zwar beantwortet werden, aber von einer echten Bearbeitung kann keine Rede sein. Sinngemäß kam dabei nur ein „da kann man nichts machen“ heraus, ziemlich frustrierend.

Marianne Eschbach ist die Frau von Andreas Eschbach. Sie wurde 1958 geboren, studierte sieben Jahre lang alles mögliche und arbeitete in vielen verschiedenen Berufen. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann in der Bretagne. „Mirandas Traum“ ist ihr erstes Buch. Und, so böse das klingt, ich glaube nicht, dass es veröffentlicht worden wäre wenn sie nicht Andreas’ Ehefrau wäre. Gattin als Qualifikation – das ist etwas, auf das ich äußerst allergisch reagiere.

Der Klappentext spart nicht mit großspurigen Ankündigungen. „Faszinierender Erstlingsroman“, „neue große Fantasy-Autorin“, „atemlose Spannung“, „Platz neben Michael Endes Klassiker „Die unendliche Geschichte““, …
Wow. Ein Buch, das diese Vorgaben erfüllt, hätte ich wirklich gerne gelesen. War’s nur leider nicht. Nicht im Entferntesten.

Die Story ist tatsächlich klassisch: ein kleiner Bub macht sich auf den Weg um seine Schwester Miranda und die Welt zu retten. Ins Traumland begleitet wird er von sprechenden Tieren (die Namen hätten mich schon misstrauisch machen sollen, zB Friedrich Pelikan oder Emilia Eule. Schlechte Namen sind kein gutes Zeichen.). Gemeinsam erleben sie jede Menge Herausforderungen, ständig muss jemand gerettet werden oder braucht Hilfe oder greift sie an. Zugegeben, manche dieser Märchenfiguren sind phantasievoll, der „Irrende Wald“ zb gefällt mir ganz gut. Aber die Geschichte selbst kommt nicht richtig weiter. Miranda schwebt doch in Lebensgefahr, und es sollte ursprünglich darum gehen, dass um mehr Lebenszeit für sie gebeten wird – aber anscheinend hat ihr Bruder nun ihre Aufgabe, das Land der Träume zu retten, übernommen. Jedenfalls verzettelt er sich völlig, der rote Faden ist nicht mehr erkennbar. Deswegen habe ich das Buch auch auf Seite 186 abgebrochen.

„Mirandas Traum“ hat einfach zu viele Mängel: Martin, die Hauptfigur, bleibt eigenartig skizzenhaft. Ok, er will seine Schwester retten, aber viel mehr erfährt man nicht von ihm. Wie alt ist er eigentlich? Was für ein Mensch ist er? Ab und zu wird er zornig, ab und zu ist er selbstgerecht, das war’s schon.
Die Geschichte besteht aus einer Aneinanderreihung von Szenen, der rote Faden geht verloren. Miranda ist in Lebensgefahr, und ihr Bruder macht einen abenteuerlichen Spaziergang durchs Traumland.
Dazu kommt noch der erhobene pädagogische Zeigefinger. Computerspiele zB sind ganz furchtbar weil sie die Kinder vom Träumen abhalten.
Auch der Stil konnte mich nicht überzeugen. Hölzern, sehr schulaufsatzhaft mit dem braven Suchen von Synonymen um nur ja keine Wortwiederholung zu haben. Eher einfach, aber ob „Mirandas Traum“ als Jugendbuch gedacht ist, kann ich nicht so klar erkennen. Martin ist ein Kind, die Story märchenhaft, ein paar Szenen sind aber eher grausam und nicht unbedingt kindgerecht.

Fazit: Verlockende Versprechungen, nicht im Ansatz eingelöst. Kann man sich wirklich sparen.

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Interview mit Marianne Eschbach

4 Gedanken zu “Marianne Eschbach: Mirandas Traum

  1. Ohje. Zu meiner Verteidigung: Ich kenne weder das Buch, noch die Autorin. Ich fand einfach die Aufmachung ganz hübsch …
    Schade, dass es Dir nicht gefallen hat, aber ich hoffe, das hält Dich nicht davon ab, doch mal wieder bei mir reinzuschauen 🙂

  2. leselustfrust schreibt:

    Du kannst doch nichts dafür, dass mir das Buch nicht gefallen hat! Ich bin – wieder einmal – auf einen verlockenden Klappentext reingefallen.
    Natürlich lese ich weiter dein Blog. 🙂

  3. Diese Leseerfahrung spiegelt zwei wichtiges Dinge unseres neoliberalen Lebens wieder.
    1. Das Unternehmen Post spart ein, privatisiert, versetzt ihre unkündbaren Bematen in einen Pool und versucht sie loszuwerden und die Briefe und die Päckchen kommen dann beschädigt, verspätet, gar nicht oder gar nicht an. Ich schreibe in meinem neuen Text gerade darüber.
    2. Und beim Schreiben kommt es auf den bekannten Namen, die Beziehungen und die Verbindungen an, dann findet man einen Verlag und wird gedruckt. Ich habe ja bekannter Weise einen sehr weiten Literaturbegriff, interessiere mich für viel und bin auch sehr geduldig und dann leide ich wieder sehr darunter, weil es mir nicht gelingt einen Verlag zu finden und ich, abgesehen von diesen Gründen, meiner Hemmung und Schüchternheit eigentlich nicht weiß warum?
    Andreas Eschbach kenne ich über seine Website, er hat da viele Tips über das Schreiben und scheint sich sehr damit zu beschäftigen und ist offenbar auch ein bekannter Mann. Gelesen habe ich noch nichts von ihm.

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