Ralf Isau: Messias

Thriller, die sich mit der katholischen Kirche und Verschwörungen befassen, habe ich eigentlich abgehakt: kennt man einen, kennt man alle. Langweilig. Allerdings erschienen jetzt fast zeitgleich Ralf Isaus „Messias“ und Peter Henischs „Der verirrte Messias“
(kein Thriller!). Der Vergleich könnte spannend werden, dachte ich mir. Wie gehen die beiden Autoren mit dem Thema um?

Von Isau weiß ich es nun: konventionell, der übliche Kirchenverschwörungsthriller, sprachlich ganz ok, mit Längen und dem einen oder anderen logischen und handwerklichen Mangel. Kein Buch, das man lesen muss, und schon gar keines, das die Ausgaben für einen Hardcover lohnt.

Der Inhalt im Schnelldurchlauf: Zu Ostern 2009 steigt in Irland der Messias höchstpersönlich vom Kreuz. Wunder oder Schwindel? Sowohl ein päpstlicher Sonderermittler (der aus dem kleinen Ort stammt und dort noch einiges aus der Vergangenheit zu klären hat) als auch die Polizei arbeiten an der Klärung. Wunder und Morde häufen sich. Dass der Showdown höchst dramatisch ist, wird keinen überraschen. Die Story dürfte sich gut für eine Verfilmung eignen, spektakuläre Szenen gibt es zuhauf.
Echte Wunder mischen sich mit gefakten, außerdem gibt es einen „Familienfluch“: die Nachkommen eines Mönches müssen hundert Mal Menschen in hoffnungslosen Situationen retten um diesen Fluch zu tilgen. Dafür haben sie die Fähigkeit, Wunder zu wirken, bis zur Auferweckung von Toten.

Komischer Fluch. Sollte ein Fluch nicht etwas Böses sein? Etwas Belastendes? Die Fähigkeit, Wunder zu wirken, bringe ich nicht in Verbindung mit einem Fluch.

Erstaunlich fand ich es auch, dass ein hoher katholischer Würdenträger die ganze Osterzeit über keinen Gottesdienst besucht. Ohne dass dies überhaupt thematisiert wird. Hat er denn kein schlechtes Gewissen? Nicht einmal seine Gebete werden erwähnt. Gott scheint ihm überraschend gleichgültig zu sein.

Ebenfalls unangenehm aufgefallen ist mir die katholische Arroganz des Buches. Immerhin geht es hier um Jesus Christus – und keine andere Kirche interessiert sich für die Geschichte. Dass katholische Wunder keinen Protestanten oder Juden hinter dem Ofen hervorlocken können, ist nachvollziehbar, aber der Messias persönlich? Das wird den Katholiken einfach so überlassen? Kann ich mir nicht vorstellen.

Am Ende werden zwar viele der falschen Wunder erklärt, aber nicht das mit dem blühenden Birnenbaum. Gerade das hat mich interessiert – habe ich es überlesen? Falls ja: bitte Mitteilung, wo es steht, oder gleich die Erklärung.

Fazit: so schlimm, wie die Mängelaufzählung vermuten lässt, ist das Buch auch wieder nicht. Dutzendware eben.

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