Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels

Erstmals gebloggt im August 2008

"Die Atmosphäre ist strahlend, perlend, gediegen, gedämpft, kristallklar. Wundervoll." So beschreibt Madame Michel den Abend mit Monsieur Ozu, aber so kann man auch diesen Roman beschreiben.

Es geht um Madame Michel, Paloma und Monsieur Ozu, drei verwandte Seelen die unter völlig unterschiedlichen Bedingungen in einem Pariser Stadtpalais leben. Madame Michel ist die Concierge, penibel darauf bedacht, die üblichen Vorstellungen die man von jemanden, der diesen Beruf ausübt, hat, zu erfüllen und hinter dieser Fassade ihr "echtes" Leben zu leben. Sie interessiert sich für Kunst, Literatur, Philosophie, klassische Musik, Japan etc, aber sie möchte nicht, dass dies jemand erfährt.

Paloma ist zwölf Jahre alt, verwöhntes höheres Töchterl neureicher Eltern und vom Leben angewidert. Hochintelligent und altklug, aber auch unglücklich und verzweifelt. Sie möchte an ihrem dreizehnten Geburtstag Selbstmord begehen, bis dahin macht sie sich "tiefgründige Gedanken" und führt ein "Tagebuch der Bewegung der Welt".

Monsieur Ozu ist der neue Eigentümer einer Wohnung im Haus, reich, charmant, klug, gebildet und fähig, hinter die Fassaden zu blicken. Er sorgt dafür, dass sowohl Madame Michel als auch Paloma ihre Verstecke verlassen und sich anderen Menschen öffnen.

Ein Buch, in dem viel geredet und nachgedacht wird bei relativ wenig Handlung. Wer sich nicht für Philosophie interessiert wird schnell gelangweilt sein.

Mich hat die Geschichte angezogen, auch wenn es Schwächen gibt: Monsieur Ozu wird mir zu sehr als strahlender Held und Erretter dargestellt, die zwei Erzählstimmen von Paloma und Madame Michel sind sich sehr ähnlich (auch wenn sie "verwandte Seelen" sind, der Altersunterschied ist beträchtlich), Monsieur Ozu wird sehr spät eingeführt und ändert dann allzu rasch die Gegebenheiten (darunter leidet die Glaubwürdigkeit, aber ich war an der Stelle schon zu fasziniert um das noch als störend wahrzunehmen), das Ende rettet die Autorin zwar vorm Kitsch, ist aber dennoch zu hastig und eine etwas ungeschickte Auflösung.

Dennoch: eine Leseempfehlung.

Leseprobe von dtv
ausführliche Spiegel-Rezension
Negative Rezension bei aufgelesen.org
Liisas Litblog
Whiteboard
Walküre
Literaturwelt

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2 Gedanken zu “Muriel Barbery: Die Eleganz des Igels

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