Anne Fadiman: Ex libris

Erstmals gebloggt am 7.1.09

Bekenntnisse einer Bibliomanin

Anne Fadiman legt hier eine fabelhafte Essay-Sammlung, in der es um die Liebe zu Büchern geht, vor. Sie stammt aus einer lesebegeisterten Familie (worum ich sie ehrlich beneide), allein die herrlichen Anekdoten sind den Buchkauf wert.

Den Beginn macht „Wenn Bibliotheken heiraten“. Erst Jahre nach der Hochzeit haben Fadiman und ihr Mann George auch ihre Bibliotheken zusammengelegt und brauchten dafür mehrere Tage.

Sehr schön ist auch „Tun Sie das keinem Buch an“ über den Umgang mit Büchern. Die Autorin gehört zu jenen Menschen, die ihre Bücher lieben, aber nicht in Watte packen. Ganz meine Philosophie! Ja, ich gestehe, ich gehöre zu den „Eselohrmachern“. Warum auch nicht? Lesezeichen rutschen aus Büchern, die man schnell in die Tasche gesteckt hat, so leicht heraus. Ein Eselohr ist eine sichere Markierungsmethode. Der einzige Weg, mich davon abzuhalten, ist, dass das Buch ein Lesebändchen hat (oder ausgeborgt ist – keine Sorge, bei entlehnten Büchern hinterlasse ich keine Gebrauchsspuren). Meinen Büchern sieht man an, dass sie gelesen wurden. Ich mache Notizen, ich unterstreiche, und ich knicke („brechen“ klingt wirklich brutal) den Rücken von Taschenbüchern. Auf diese Art schmiegen sie sich viel besser in die Hand. Gerade die Notizen sind doch nützlich. Wie schön, dass ich meine Begeisterung für jene Bücher, die ich in der Schulzeit gelesen habe, so leicht nachvollziehen kann. Oder die verschiedenen Anmerkungen bei verschiedenen Lesedurchgängen, man sieht so gut, worauf zu unterschiedlichen Zeiten der Augenmerk gelegt wurde. Also ja, ich teile Fadimans Meinung.

Mutig ist es auch, in „Mein Kuriositätenkabinett“ zuzugeben, zu welch seltsamen Themen man Bücher sammelt. Ich hab ja die schräge Ratgebersammlung (samt skuriller Eso-Abteilung), Fadiman liebt Bücher über Polarexpeditionen. Herzlichen Dank für dieses Outing, ich dachte immer, ich sei die Einzige, die komische Dinge nicht nur liest, sondern auch mit Begeisterung hortet.

„Worte auf dem Schmutztitel“ beschäftigt sich mit Widmungen, „Der katalogische Imperativ“ mit der Prosa von Versandhauskatalogen (auch dafür habe ich eine Schwäche – Fadiman ist mir in manchen Bereichen direkt unheimlich ähnlich), „Wahre Weiblichkeit“ mit einem alten Ratgeber für Hausfrauen.

Die weiteren Essays entdeckt selbst. Dieses Buch ist einfach wunderbar und wird jedem, der gerne liest und Bücher liebt, gefallen.

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Vienna Writer’s Blog

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