Strikt subjektive Meinungen zu privater Lektüre

Archiv für 9. Juli 2009

Bill Bryson: Shakespeare – wie ich ihn sehe

Erstmals gebloggt im Dezember 08

Naja. Begeisterung ist etwas anderes. Dies war mein erstes Buch von Bryson, und meine Erwartungen waren relativ hoch. Immerhin schätzen ihn Leute, die ich schätze.

Es fängt schon mit der miesen Titelübersetzung an: „Shakespeare wie ich ihn sehe“ statt “The World as a Stage”. Um Himmels Willen, wozu musste DAS geändert werden? Ist eh nur ein Zitat, also weg damit. Es geht weiter mit dem Stil des Autors, für den ich mich einfach nicht erwärmen kann. Zwischen oberlehrerhaft und unpassend flapsig. Ich habe mir ein amüsantes Buch erwartet – das war’s dann leider nicht.

Der Informationsgehalt? Mager, mager. Über Shakespeare nichts Neues (nun gut, das war nicht zu erwarten), nichts, was wesentlich über mein Schulwissen hinausginge (und mein Mittelschullehrer war Anhänger der These, dass mehrere Personen hinter Shakespeare stecken!). Spannend war höchstens, dass Bryson den Versuch unternommen hat, nicht nur über Shakespeare, sondern auch über dessen Zeit zu schreiben. Da gab es dann doch das eine oder andere Interessante zu entdecken.

Alles in allem: ein weiteres Buch über Shakespeare halt. Nichts Aufregendes.

Verlagshomepage mit Leseprobe
Literaturmarkt.info
Perlentaucher
Berliner Literaturkritik
Cicero
Nur mein Standpunkt

Joel Haahtela: Sehnsucht nach Elena

Erstmals gebloggt im Dezember 08

Die Geschichte wird von einem Ich-Erzähler erzählt, einem alten Mann, der einer jungen Frau begegnet. Er beobachtet sie, versucht, sie möglichst oft zu sehen und fährt ihr auch auf eine Insel nach. Kapitelchen für Kapitelchen wird Mosaikstein an Mosaikstein gesetzt, erst zum Schluß sieht man das schlüssige, detaillierte Bild. Es geht um Einsamkeit, spät merkt man, dass auch Trauer eine Rolle spielt.Obwohl sich fast alles in der Innenwelt des Erzählers abspielt, entsteht doch eine Spannung, die den Leser gefangen hält.

Die Sprache ist klar, präzise und doch sehr poetisch. Einfach schön.

Was mir nicht so gut gefallen hat: das Titelbild passt nicht (Elena ist dunkelhaarig – mich stört es, wenn solche Details nicht stimmen). Auch wenn der Vorwurf der Seitenschinderei nicht ganz treffend ist (der Mini-Kapitel-Aufbau hat durchaus seinen Sinn), so stimmt hier doch das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht, und ob es sich um einen Roman handelt, darüber kann man sicher streiten.

Außerdem – auch wenn es sich um eine wohl eher unzulässige moralische Wertung handelt – mir gefällt nicht, dass diese Vorstufe des Stalkens (nein, der Erzähler ist mit Sicherheit kein Stalker) so poetisch verklärt wird.

Weitere Rezensionen und eine Leseprobe gibt es bei Vorablesen.

E.T.A. Hoffmann: Die Abentheuer der Sylvester-Nacht

200 Jahre alte Fantasy hat schon was, aber ich werde mich hüten, hier eine Interpretation abzuliefern. Dafür habe ich mich mit Hoffmann einfach zu wenig beschäftigt.

Der Ich-Erzähler, der „reisende Enthusiast“, wird gleich am Anfang vom „Herausgeber“ als eher unzuverlässiger Berichterstatter dargestellt. Wir treffen ihn an einem Sylvesterabend bei einer Teegesellschaft, wo er überraschend eine geliebte Frau wieder sieht. Als sich herausstellt, dass diese verheiratet ist, verlässt er überstürzt die Feier und findet sich bei einer „Gesellschaft im Keller“ wieder. Hier lernt er seltsame Menschen kennen, unter anderem Peter Schlemihl. Den Hauptteil bildet aber nicht die Sylvesternacht, sondern die Geschichte von Spikher, der sein Spiegelbild der Geliebten gab.

E.T.A. Hoffmann bei Wikipedia
Referat
Volltext bei zeno.org

Erstmals gebloggt im Dezember 08… und soll ich so frech sein, E.T.A Hoffmann bei “Fantasy” einzuordnen? Ich kann nicht widerstehen…

Highlights 2007/08

2008 habe ich rund 140 Bücher gelesen. Eigentlich wenig für mich, aber immerhin hat mir der Umzug viel Zeit gestohlen. Hier die Bücher, die mir am besten gefallen haben (2007/08 deswegen, weil ich die Highlights seit Beginn des Blogs genommen habe, das war am einfachsten.), sei es durch eine literarische Leistung, einen tiefen bleibenden Eindruck oder einfach deshalb, weil ich die Lektüre jenseits aller Wertungen einfach genossen habe. Nein, stimmt nicht, genossen habe ich jedes genannte Werk – nur literarisch herausragend sind nicht alle.

Für 2009 habe ich, um mir Mühe zu sparen, gleich eine neue Kategorie eingerichtet. Zwischen „gut“ und „Highlight“ gibt es ja noch einigen Spielraum.

Es folgt die Liste (ohne Verlinkungen, benutzt bitte die Suchfunktion) in alphabetischer Reihenfolge:
• Barbery, Die Eleganz des Igels
• Bennett, Die souveräne Leserin
• Axel Brauns, Buntschatten und Fledermäuse
• Carrell, Die Shakespeare-Morde
• Neil Gaimann, Niemalsland; Sternwanderer
• Daniel Glattauer, Gut gegen Nordwind
• Erin Gruwell, Freedom Writers
• Wolf Haas, Das Wetter vor 15 Jahren
• Peter Henisch, Eine sehr kleine Frau
• Ruth Klüger, weiter leben
• Katja Lange-Müller, Böse Schafe
• David Mitchell, Der dreizehnte Monat
• Britta Mühlbauer, Lebenslänglich
• Philipp Pullmann, His Dark Materials
• Margit Schreiner, Haus, Friedens, Bruch; Buch der Enttäuschungen
• Brigitte Schwaiger, Fallen lassen
• Linda Stift, Stierhunger

Nick McDonell: Zwölf

Erstmals gebloggt am 31.12.08

Wie oft wird denn “Unter Null” noch abgeschrieben? Zuerst blähte Bret Easton Ellis seinen Erstling mittels Markennamen und Horrorszenen in „American Psycho“ auf Überlänge auf, und jetzt mischt McDonell noch ein bisschen „Fänger im Roggen“ dazu. Vermutlich gibt es weitere Abschreibübungen, die ich noch nicht kenne.

Die Story ist aus Filmen und Büchern inzwischen bekannt und langweilt. Überdrehte, gelangweilte und reiche Highschool-Kids nehmen Drogen, langweilen sich (ja, sorry, schon wieder. Ist aber so.), denken an Sex und Gewalt. Ich glaube noch immer nicht ganz, dass es genau diese Kids so wie beschrieben tatsächlich gibt. Ich zweifle ebenso an der in vielen Rezensionen wiedergekäuten Behauptung, dass der Roman autobiographische Züge trägt. Umso nerviger, dass diese Art Story nicht umzubringen ist.

Zeitrahmen ist vom 27. Dezember bis Silvester, im Großen und Ganzen geht es um Zeittotschlagen, Drogen und Partyvorbereitungen. Die Silvesterparty endet in der unausweichlichen Katastrophe, die wichtigsten handelnden Personen werden vom – offensichtlich auch gelangweilten (ah, hier ist der autobiographische Bezug!) – Autor hingemetzelt. Ganz schlimm ist aber das Nachwort, hier macht sich McDonnell auch noch des Kitsches schuldig.

Stilistisch ist das Buch unsicher. Es soll wohl cool sein, und gelegentlich gelingt das aufgrund knapper, präziser Sprache. Aber dann schleicht sich wieder der Fänger im Roggen ein mit einem „und so“ oder ähnlichen unnötigen Füllseln. Die eigene Stimme fehlt.

Fazit: Inhalt und Stil sind abgekupfert. Klar darf das ein derart junger Autor machen und sich in Fingerübungen erproben. Veröffentlichen ist aber etwas anderes. Wieso es begeisterte Kritiker gibt, bleibt ein Rätsel.

TourLiteratur
Perlentaucher
Homepage des Autors
Bücher4um

Markus Zusak: Die Bücherdiebin

Erstmals gebloggt am 1.1.09

So viele begeisterte Rezensionen… so viele Leute, von deren Lesgeschmack ich durchaus etwas halte, zählen die “Bücherdiebin” zu ihren Highlights 2008.

Machen wir es kurz: ich finde dieses Buch schlecht. Richtig schlecht. Es gibt ein, zwei gute Ansätze, z B dass aus der Perspektive des Todes erzählt wird oder der Versuch, Sterben in Farben zu übersetzen, aber der Rest ist einfach schrecklich.

Die Bücherdiebin ist – irgendwo muss ich ja anfangen – keine Bücherdiebin. Das erste Buch, das sie „stiehlt“, findet sie auf einem Friedhof, wo es der junge Totengräber verloren hat. Das ist maximal Fundunterschlagung, kein Diebstahl. Das zweite Buch fischt sie aus einem noch glosenden Feuer. Wem soll man denn eine bereits weggeworfene Sache stehlen, hmmm? Buch drei (und jetzt befinden wir uns bereits bei der Hälfte des Buches) könnte ein Diebstahl sein, ist es nur nicht, sondern eine etwas eigenartige Schenkung. So wie all die folgenden „gestohlenen“ Bücher. Die angebliche „Diebin“ ist ein strafunmündiges Kind (gut, dass könnte in der Nazi-Zeit andres gewesen sein) und wird niemals angeklagt, geschweige denn verurteilt.

Der Stil des Autors: manieriert, gewaltsam poetisch, methapernreich. Wie meistens, wenn ein Schriftsteller sehr gewollt Bilder und Symbole einsetzt, geht vieles daneben. Nur ein Beispiel (Seite 295): „Sein dichtes blondes Haar knetete seine Kopfhaut, und seine Worte schabten fast sichtbar über Tommis Gesicht.“ Autsch. Ich habe ehrlich versucht, das Bild mit den Haaren, die die Kopfhaut kneten, zu übersetzen, aber meine Vorstellungskraft packt das nicht.
Die Erzähltechnik mit dem ständigen Vorausblick ist überaus störend. Warum die Hinweise auf das, was zehn Seiten später ohnehin genau ausgeführt wird? Dazu kommen noch kindische Einschübe, die völlig überflüssig sind und den Lesefluss stören.

Ich habe die Ansicht, dass man nach Auschwitz keine Gedichte mehr schreiben könne, nie verstanden. Gedichte gegen den Schrecken, Geschichten gegen das Vergessen, das ist mein Credo. Aber nicht so, wie es hier gemacht wird. Das ist abstoßend, das Entsetzen ertrinkt im Kitsch. Am Anfang stirbt ein kleiner Bruder, dann folgen Krieg, Bombennächte, ein Jude im Keller, die Märsche der Juden ins Konzentrationslager, eine Prise Stalingrad, bohrender Hunger und viele, viele Tote. Zusak lässt nichts, aber schon gar nichts aus, was irgendwie auf die Tränendrüse drücken könnte. Mich widert es an, wenn Bücherverbrennungen nur als Kulisse missbraucht werden oder der Tod ach so poetisch mit den Seelen der Vergasten auf dem Dach des KZ sitzt.

Hier die Gegenmeinungen (bei amazon gibt ein paar negative Stimmen):
Zeit
Deutschlandradio
Büchereule
Planet 9
Baghieras Blog
Buchwürmchen
Zwischenlebenblog
Liisas Litblog

Shanna Swendson: Hex and the City

Erstmals gebloggt im Jänner 09

Ein zauberhafter Roman

Der Titel mit seiner “Sex and the City”-Anspielung ist blöd, darüber braucht man nicht zu diskutieren.

Das Buch selbst ist aber entzückende Chick-Lit, lustig und phantasievoll. Katie, die Heldin, kommt nach New York und stolpert mitten in das dortige magische Leben. Ein bisschen Harry Potter, ein bisschen Herr der Ringe, aber die Bösewichter versuchen die Guten, mittels wirtschaftlicher Methoden zu bekämpfen.

Katie möchte natürlich einen Freund, sonst wäre es ja keine Chick-Lit. Angenehmerweise ist Mr Right aber nicht der oberste Punkt auf ihrer Prioritätenliste, dort steht der Beruf, und auch ihre Freundinnen sind ihr wichtig. Endlich eine Heldin mit einem Leben (auch wenn das durch die Magie gewaltig durcheinander gewirbelt wird).

Ich mag den Stil und den Humor von Swendson. Nette Lektüre wenn man sich einfach entspannen will.

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