Strikt subjektive Meinungen zu privater Lektüre

Erstmals gebloggt im Jänner 09

Zehn Menschen, die ihre Bestimmung fanden.

Inhalt: Es geht in diesem Buch um zehn Menschen: Jesus von Nazareth, Augustinus, Franz von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Teresa von Avila, Martin Luther, Blaise Pascal, Edith Stein, Simone Weil und Dorothee Sölle. Alois Prinz hat sich aber nicht an Kurzbiographien gewagt (was angesichts des wenigen Platzes, der zur Verfügung stand, auch nicht zielführend gewesen wäre), sondern er versucht lediglich, den Wendepunkt im Leben der Genannten zu beschreiben. Wie man schon an der Aufzählung sieht, zieht sich der Bogen über viele Jahrhunderte (die einzelnen Kapitel sind chronologisch geordnet), auf unterschiedliche Konfessionen wird keine Rücksicht genommen. Vervollständigt wird das Buch durch ein Vor- und ein Nachwort sowie einer Literaturliste.

Meinung: Um an der Lektüre wirklich Freude zu haben, muss der Leser einige Voraussetzungen mitbringen. Frömmigkeit. Glauben, nicht nur an Gott, sondern auch daran, dass es so etwas wie „Bestimmung“ und eine „zweite Geburt“ überhaupt gibt. Eine unkritische Grundhaltung wäre auch wünschenswert, ansonsten wird man sich des öfteren ärgern müssen.

Jesus wird zB wie eine historische Person behandelt. Prinz weist zwar darauf hin, dass den Apokryphen hinsichtlich der historischen Wahrheit nicht zu trauen ist, geht aber mit der Bibel wie mit einem Tatsachenbericht um. Negativ aufgefallen ist mir auch im Vorwort, dass sogar Atheisten Glauben oder die Suche danach unterstellt wird. Das ist absurd. Für mich ist dieses Buch vordergründig neutral geschrieben, unterschwellig ist die Propaganda zu spüren. Mit offenen Bekehrungsversuchen kann ich besser umgehen.

Von den vorgestellten Persönlichkeiten scheint nur Dorothee Söller zu einem halbwegs „konventionellen“ Leben fähig gewesen zu sein. Bei den anderen ist oft von starken Kopfschmerzen, ständigem Kränkeln und großer Verzweiflung die Rede, vieles an deren Handlungen scheint mir mehr krankheitswertig denn nachahmenswert zu sein. Bei Elisabeth von Thüringen hat mir gefehlt, dass das Rosenwunder nicht behandelt wurde – gerade das hätte mich interessiert, denn ich habe nie verstanden, was an einer eindeutigen Lüge bewundernswert sein soll. Blaise Pascal hat seine Schwester richtiggehend terrorisiert, Simone Weil hat sich zu Tode gehungert, Augustinus hat die Mutter seines Sohnes aus lächerlichen Gründen verlassen, Francesco erscheint nur als verwöhnter Jüngling auf der Suche nach einem neuen Kick. Ich sehe hier keinerlei Vorbildwirkung, ganz im Gegenteil. Es scheint so, als wären diese Menschen nicht fähig gewesen, mit Krisen aus eigener Kraft fertig zu werden und hätten deswegen Gott gebraucht.

Die positiven Seiten des Buches möchte ich nicht unterschlagen: die Sprache ist flüssig, wenn auch sehr einfach, der Text leicht lesbar. Die äußere Aufmachung ist gut gelungen, mir gefällt dieses angenehme Blau ausnehmend gut. Auch die Literaturliste am Schluss hat einen Pluspunkt verdient.

Ich habe dieses Buch bei Vorablesen gewonnen, dort gibt es eine Leseprobe (Vorwort & Biographie von Dorothee Sölle) sowie Leseeindrücke und Rezensionen.

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