Petra Kichmann: Lifehacks Katze. Die besten Kniffe für den Alltag

Petra Kichmann führt die Blogs Großstadtkatze und Epilepsie-Katzen. Jetzt hat sie ein Buch herausgebracht.

Das Buch ist in die Abschnitte „Rund ums Füttern“, „Sauer und gesund“, „Spiel und Spass“ und „Kuscheln & Chillen“ eingeteilt. Die Tipps sind ganz unterschiedlich, von ganz einfachen bis zu komplizierten Bastelanleitungen, Basiswissen zu den wichtigsten Katzenthemen, Rezepten bis hin zu Entspannungstipps für Katzen. Es ist also viel mehr als reine DIYs enthalten, es handelt sich um einen richtigen Katzenratgeber. Manche Sachen mache ich längst schon so, andere möchte ich gern ausprobieren.

Ein Buch wie dieses hätte ich mir vor allem in Hinblick auf das kompakte Basiswissen gewünscht, als ich selbst zur Katzenbesitzerin wurde. Was habe ich an Zeit damit verbracht, mir das nötige Wissen über gutes Katzenfutter anzueignen! Die zwei Seiten, die Petra Kichmann dazu schreibt, wären der perfekte Einstieg gewesen. Ich kann das Buch daher jedem Anfänger  nur wärmstens empfehlen.

Wie auf dem Blog sind auch im Buch alle Fotos von der Autorin selbst und zeigen ihre Katzen Katie und Lilli. Ich liebe den Blog und freue mich, nun die schönen liebevollen Fotos auch in Buchform zu haben. Und die Katzenmädels sind einfach bezaubernd!

Das Schicksal kann manchmal richtig fies sein. Katze Lilli, genannt Staunemöppel, Plums und Staubsauger, starb Anfang März (also gerade zum Erscheinungstermin des Buches) an trockener FIP. Sie wäre im Juli fünf Jahre alt geworden, also in etwa so alt wie meine Katzenbande. Und auch mein Flauschi trägt das heimtückische Virus in sich. Vielleicht hat mich deshalb der Tod einer niedlichen Katze, die ich doch nur aus Texten und von Fotos kenne und nie gestreichelt habe, so betroffen gemacht.

Zurück zum Buch: die Texte sind klar und verständlich geschrieben, die Fotos entzückend, alles Wichtige ist enthalten, dazu jede Menge an Inspiration.

Ich habe nur an zwei Punkten etwas auszusetzen, und die sind dem Verlag, nicht der Autorin, anzulasten:

Erstens das Coverbild, ausgesucht vom Verlag. Ich finde es u n m ö g l i c h, dass ein Buch, das ausschließlich Bilder von Katie und Lilli enthält, ausgerechnet auf dem Cover eine namenlose andere Katze zeigt. Ich hab das Buch gekauft, weil ich den Blog mag. Ich will die Hauptdarsteller auch auf dem Cover sehen!

Zweites: die „Literaturliste“ am Ende ist ein Witz. Reine (ok, mit einer Ausnahme) Verlagswerbung. Ich habe nichts dagegen, wenn der Verlag auch seine Bücher zum Thema bewirbt. Die Betonung liegt auf „auch“. Mich hätten echte Buchtipps interessiert, nicht Werbung. (Wenn euch meine Katzenbücher interessieren, hier die Liste.)

Fazit: die Mäkelpunkte sind zwar nervig, mindern aber nicht die Qualität. Eine Empfehlung!

Links:

Noch ein Bonus: meine eigenen Katzentipps (Ich nenne auch Produkte. Diese habe ich alle selbst gekauft und sie funktionieren für die Katzen und mich. Trotzdem: Werbung!):

  • Der wichtigste: beobachte deine eigenen Katzen. Sie kommunizieren nämlich sehr deutlich mit ihren Menschen, auch wenn es Zeit braucht, sie zu verstehen. Hör auf deine Katzen (also, nicht immer. Die Leckerlie-Zuteilung zB sollte dringend in deinem alleinigen Entscheidungsbereich bleiben. *g*)! Ein Beispiel: ich dachte immer, man solle Tiere beim Fressen nicht streicheln. Allgemein stimmt das ja, aber nicht bei Flauschi. Der möchte das. Ich hab lange an meiner Wahrnehmung gezweifelt, aber er fordert Streicheln beim Fressen klar und deutlich ein. Also mach ich es. „Mein“ Tierschutzverein hat mir auch bestätigt, dass gerade ehemalige Shelterkatzen das gern mögen. Katzen können übrigens beim Fressen schnurren. Charly findet das Streicheln beim Fressen auch gut, will es aber nicht so dringend. Für Bianka ist es indiskutabel.
  • Katzentoilette: Petras Vorschlag ist, Aufbewahrungsboxen zu benutzen. Die üblichen Katzenklos sind nämlich – gerade für meine großen Kater – zu klein. Ich verwende schon länger „Unterbettaufbewahrungsboxen“, die sind nämlich groß genug und flach genug, dass man sie ohne „Umbauten“ verwenden kann.
  • Trinken: Meine Katzen trinken tatsächlich problemlos. Bianka war meine erste Katze, sie lehnte das Wasserschüsselchen ab und trank aus einem Wasserkrug, den ich als Gießkanne für die Blumen benutzte. Also bekam sie den Wasserkrug (immer noch das liebste Trinkgefäß meiner Katzen). Einen kleinen Wasserpool zum Abkühlen für die Pfötchen nutzten die Katzen überhaupt nicht zum Spielen (sie guckten den Robofischen begeistert zu, weiter nichts.), aber sie tranken daraus. Ich habe meine Lehren gezogen: sie wollen große Trinkgefäße. Haben sie jetzt, in jedem Raum stehen Blumenübertöpfe mit Wasser. Das hat auch einen sozialen Zweck: eine Katze, die einer anderen auflauert, kann, wenn die andere grad nicht spielen will, einfach so tun, als wäre sie eh nur unterwegs zum Wasser gewesen. Passiert regelmäßig. 😉 Ich wechsle das Wasser nicht in allen Gefäßen täglich, nur in zwei oder drei. Es steht also immer auch abgestandenes Wasser zur Verfügung. Manchmal wollen die Katzen nur frisches, manchmal nur abgestandenes, ich hab noch kein Muster erkennen können.
  • Kartons: die Miezen bekommen immer die Kartons. Ich räum sie halt ein paar Tage später weg. Besonders beliebt sind die flachen Bücherkartons, die werden leidenschaftlich zum Kratzen benutzt.
  • Spielzeug: Damit die Wohnung nicht völlig im Spielzeug untergeht, räume ich immer einen Teil weg. Alles, was sonst so herumfliegt an Bällchen und Mäuschen, werfe ich in zwei Schachteln (eine im Vorraum, eine im Wohnzimmer). So stolpere ich nicht ständig darüber, und die Katzen holen sich selbständig, was sie wollen. Rausfischen ist ja auch schon ein Spiel.
  • Spielzeug – Produkte: Bianka spielt wild, mit Krallen und Zähnen. „Biankatauglich“ ist daher wichtig, ich hab keine Lust, etwas zu kaufen, das in fünf Minuten zerlegt ist. Was wunderbar funktioniert, sind die amerikanischen Spielsachen: Boinks Bamboozler , Kitty Boinks, Federwedel Crinkle Dancer (der einzige Federwedel, den Bianka nicht innerhalb von Minuten tötet. Sie liebt ihn heiß und spricht auch mit ihm.), Cat Dancer, Katzenangel Cat Charmer. Ganz toll sind weiters die mit Baldrian UND Katzenminze gefüllten Schlangen vom Kleinen Katzenkaufladen.
  • Spenden: Ich bestelle das meiste Katzenzeugs. Der Tierschutzverein, der mir meine Katzen vermittelt hat (Die Pfotenretter), ist in mehreren Programmen vertreten, etwa bei gynny.de oder amazon smile. Wenn man bestellt, geht eine kleine Spende an den Verein. Ich achte darauf,  diese Links zu benutzen.
  • Katze beruhigen: in leichten Fällen ist – neben der Petra empfohlenen Musik – Vorlesen eine gute Möglichkeit. Die Katzen mögen das. Wenn es kritischer wird, zB zu Silvester, stecke in den Feliway-Zerstäuber an. Er  enthält synthetisch hergestellte Pheromone, bei uns sorgt das für merkbare Entspannung.
  • Kratzbaum: Ein Kratzbaum muss stabil sein, eh klar. Je dicker der Durchmesser des Stamms, umso besser. Unserer hat einen Durchmesser von 28 cm und ist super! Die Katzen haben ihn auf der Stelle geliebt (glücklicherweise). Auch hier habe ich vorher beobachtet. Der kleine Kratzbaum hat zB eine Höhle, die so gut wie gar nicht benutzt wird. Der große Kratzbaum hat daher keine, dafür große Liegeflächen, auf denen auch die Kater ausgestreckt liegen können.
  • Katzensitter: Plant gaaanz viel Zeit für die Suche ein! Ich hab auf einem Tiersitterportal inseriert und Zuschriften bekommen, die mich verzweifeln ließen. Zitate: „Wenn Sie keine Zeit haben mit ihrem geliebten Tier Gassi gehen, würde ich mich sehr freuen, Ihnen die Arbeit zu entnehmen.“ (Ich fürchte, Flauschi will nicht Gassi gehen. Die Tiger könnten interessiert sein.) oder  “ Ich bin offene, zuverlässige und freundliche Person und habe ich persönliche Erfahrung als registrierte Hündezüchterin in meinem Heimat.“ (Doch, ich hab Katzen geschrieben) oder „Erfahrungen: ich bin quasi mit drei Katzen im Haushalt aufgewachsen, besitze zur Zeit eine Katze,“ (EINE Katze? Ich fürchte, hier mangelt es an Grundwissen). Ich bin der Meinung, dass Katzensitting über längere Zeit einen Freundschaftsdienst übersteigt. Lieber ist es mir, eine Freundin kommt zusätzlich zum Katzensitter wenn sie Zeit hat. Für die Wiener verrate ich auch meine Katzensitter, die ich guten Gewissens weiter empfehlen kann, weil sympathisch, verlässlich, individuell (es wird vorher genau abgefragt, was ich haben möchte und was nicht), den Katzen geht’s gut: katzensitting.at
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His Dark Materials Lektüre 2017/18

Zum Abschluss des nochmaligen Lesens von „His Dark Materials“ möchte ich einen Tag machen.

Die Fragen:

1.Welche Ausgabe der Bücher besitzt du? Brutal gemischt: „Der goldene Kompass“ und „Das Bernsteinteleskop“ als Carlsen-Taschenbuch, „Das magische Messer“ als Heyne-Taschenbuch (grässlich hässliches Cover!), „Über den wilden Fluss“ als Carlsen-Hardcover.

2.Welches ist dein Lieblings Buch? „Über den wilden Fluss“ – mir gefällt, dass hier die  Dæmonen aktiver sind und stärker ausgearbeitet.

3.Wer ist dein Lieblings Charakter? Die Hexe Serafina Pekkala. Sie ist klug, schön, loyal… und sie kann fliegen!

4.Wie würde dein Dæmon aussehen? / Was für ein Tier wäre er? Mein Dæmon wäre ein Tigerkater mit weichem, silbrigen Fell. Etwas anderes als eine Katze ist unvorstellbar. 😉

5.In welcher der Welten würdest du am liebsten leben? Schwierig. Lyras Welt ist schon interessant, aber sie ist mir zu frauenfeindlich. Ich würde gerne zwischen den Welten reisen können, aber in meiner bleiben. Und wir führen die Dæmonen ein! (Man merkt, wie hingerissen ich von dieser Idee bin.)

6.Welchen Gegenstand würdest du dir aussuchen? Das Alethiometer, das magische Messer oder das Bernsteinteleskop? Das Alethiometer, samt Lyras Fähigkeit, damit umzugehen.

7.Hast du die Zusatz Geschichten gelesen? Lyra’s Oxford, Once Upon a Time in the North or The Collectors. Ich besitze „Lyras Oxford“, finde die Aufmachung auch schön, aber bin sonst nicht wirklich begeistert davon.

8.Wie sind deine Erfahrungen mit den Büchern? Wann hast du sie gelesen, hast du sie schon öfters gelesen usw. Das war jetzt die zweite Lektüre, angestoßen durch die unerwartete, erfreuliche Fortsetzung. Beim zweiten Mal lesen fand ich die Geschichte sogar noch besser. Und ich freue mich auf die angekündigten zwei weiteren Bände.

Gefunden habe ich den Tag hier: YouTube

Das dort verlinkte „Ursprungsvideo“ scheint leider gelöscht zu sein.

 

Herta Müller: Vater telefoniert mit den Fliegen

Herta Müller macht auch Collagen. Textcollagen. Wundervolle Textcollagen.

Die Texte wirken sehr einfach: einzelne ausgeschnittene Wörter, sorgfältig auf einer Linie arrangiert und geklebt, dazu ein Bild. Man kann versuchen, das nachzumachen, wird aber scheitern (na gut, ICH bin gescheitert). Das ist hohe Kunst, hinter der sehr viel System steckt.

Herta Müller schneidet einzelne Wörter aus Zeitschriften und Zeitungen aus und sammelt sie in „Wortschränkchen“. Alphabetisch geordnet, auch nach einzelnen Kategorien wie Eigennamen sortiert. Die Autorin beschreibt ihre Vorgangsweise auf ihrer Website genauer.

Diese paar zusammengeklebten Wörter ergeben kleine Geschichten. Geheimnisvolle Geschichten, faszinierend und anziehend.

Beschreiben fällt schwer. Das muss man sehen und lesen. Eine dringende Empfehlung, dies auch zu tun!

Links:

Frankfurter Rundschau: Ein Wort kann uns Halt geben und vernichten.

Zeit online: „Ihre Sätze machen mich froh“

Perlentaucher

Wikipedia

focus online (Buchrezension)

falter.at (Buchrezension)

Meine Katzenbücher (Liste)

äüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüü5gtfv Ich lass das jetzt, weil es passt. Das hat meine Katze Bianka getippt. 😉

Ich habe alle meine Katzenbücher aufgelistet. Dies bedeutet: die Liste ist so subjektiv wie mein Blog. Es fehlen auch Bücher, die man vielleicht erwarten würde, wie etwa „Bob der Streuner“. Das fand ich unlesbar und stellte es in den offenen Bücherschrank. Die Sachthemen drehen sich um meine Bedürfnisse, also  Tierschutz, Wohnungskatzen und Mehrkatzenhaushalt.

Ich muss allerdings hinzufügen, dass ich viele Informationen nicht aus Büchern, sondern aus dem Internet gewonnen habe. Als Einstieg empfehle ich Artgerechtes Katzenleben oder Katzenfieber.de. Und weil ich schon dabei bin, hier  noch ein Hinweis auf den Tierschutzverein, der mir meine Katzen vermittelt hat: Die Pfotenretter sind einfach toll (auf Facebook gibt es die aktuellsten Informationen)!

Jetzt zur Liste:

ERZÄHLUNGEN & ROMANE & ÜBER DAS LEBEN MIT KATZEN

 

RATGEBER & SACHBÜCHER

  • Ines Hofbauer, diestadtspionin, Der Katzen-Guide für Wien (kann ich wegen ziemlich viel esoterischem Zeugs trotz nützlicher Informationen nicht empfehlen)
  • Petra Kichmann, Lifehacks Katze. Die besten Kniffe für den Alltag (Empfehlung)
  • Andrea Kurschus, Meine Katze versteht mich. Wie uns die Spiegelneuronen verbinden
  • Paul Leyhausen, Katzenseele. Wesen und Sozialverhalten („Klassiker“)
  • Gabriele Linke-Grün, Katzen-Spiele pfiffig, spaßig, spannend
  • Katja Rüssel, Die Katzentrickkiste. Einfache Strategien für einen entspannten Alltag mit Katze
  • Sabine Schroll, Aller guten Katzen sind…? Der Mehrkatzen-Haushalt (Empfehlung)
  • Sabine Schroll, Miez, Miez – na komm! Artgerechte Katzenhaltung in der Wohnung (Empfehlung)
  • Sabine Schroll, Wenn Katzen Kummer machen. Verhaltensprobleme verstehen und lösen
  • Bettina von Stockfleth, Katzen mit Geschichte. Ein Ratgeber zur Adoption von Tierschutzkatzen
  • Viviane Theby, Clickern mit meiner Katze. Der Trick mit dem Klick – Katzen spielerisch erziehen
  • Cornelia Tschischke, Katzenglück aus zweiter Hand. Eine Katze aus dem Tierschutz

 

BILDBÄNDE

  • Detlef Bluhm, Katzen und ihre Frauen. Bilder einer besonderen Freundschaft
  • Maike Grundwald, Fotos von Anja Hölper, Vom Glück, mit Katzen zu wohnen. Besondere Katzenfreunde und ihre Wohnungen
  • Diane Lovejoy, Starke Frauen und ihre Katzen. Porträts außergewöhnlicher Beziehungen (Empfehlung – ich liebe diese Fotos)

Marie Luise Ritter: Follow me!

Machen, was man liebt und Geld damit verdienen – so wird man Influencer.

Mit Tipps, Tricks und den Grundlagen des Influencer-Marketings

Ich wollte vor der Lektüre kein Influencer werden, und jetzt will ich es schon gar nicht. Ein Bücherblog ist dazu auch nicht wirklich geeignet. Ich müsste wohl die Katzen mehr in den Vordergrund stellen. Aber ich würde mich nicht beliebt machen, wenn ich darüber schreibe, dass die meisten Katzenfuttersorten im Super- oder Drogeriemarkt völlig ungeeignet sind, dass Katzenstreu mit Duft für Katzen eine Qual ist und Haubenkatzenklos nicht verwendet werden sollten. Vielleicht könnte ich wieder Sympathiepunkte sammeln wenn ich berichte, dass meine Katzen anscheinend lesen können. Sie verweigern jedenfalls jegliches Bio-Futter ohne auch nur daran zu schnuppern und verlassen geschlossen mit vernichtenden Blicken die Küche. Der Versuch, natürliche Katzenstreu auf Holzbasis einzuführen, scheiterte grandios. Das Lieblingsspielzeug der lieben Tierchen ist aus Plastik. Lassen wir das lieber.

Zum Buch:

Marie Luise Ritter erklärt zunächst, was Social Media ist und kann, beschreibt den Beruf Influencer und widmet sich dann in eigenen Kapiteln Blogs und Instagram. Danach folgen die Grundlagen des Influencer-Marketings: Kooperationen, Community-Management, Selbstständigkeit etc.

Der Text ist locker und flüssig geschrieben, sehr angenehm zu lesen und leicht verständlich. Luise bringt jede Menge anschaulicher Beispiele von anderen Bloggern und Instagramern und berichtet viel aus der eigenen Erfahrung. Amüsant ist zB die Auflistung der komischsten Anfragen, sehr hilfreich die Tipps zur Bildbearbeitung. Ja, liebe Luise, der Tipp, die Fotolinse vor jedem Foto zu putzen, ist nützlich und war bei mir dringend nötig. Luise selbst bloggt und bespielt sowohl YouTube als auch Instagram. Ich möchte hier auf ihren Blogpost, in dem sie das Buch vorstellt, verweisen. Erstens gewinnt man dadurch einen Eindruck, wie Luise schreibt, zweitens hat sie jene Influencer, die im Buch ausführlicher zu Wort kommen, verlinkt.

Die Autorin empfiehlt, mit dem Buch zu arbeiten. Das habe ich tatsächlich gemacht. Ich habe mir viele Posts, Fotos und Hashtags angesehen, was hochinteressant war.

Festgestellt habe ich, dass die Tipps zum Bloggen sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert haben. Aber es hat mich angeregt, über diesen Blog wieder mal nachzudenken. Ergebnis: es bleibt so, wie es ist. Spontan, ohne Contentplan. Keine Kooperationen. Einfach mein Hobby, an dem ich Spaß habe. Links dann, wenn sie sinnvoll sind und ganz bestimmt nicht regelmäßige interne Links. Ich habe weder Lust darauf, Rechnungen zu schreiben noch über Inhalte zu verhandeln noch zu Events zu gehen.  Influencersein ist harte Arbeit, mit vielen Tätigkeiten, die mir gar nicht liegen.

Jetzt komme ich zum Erbsenzählen. Es geht hier um zwei Absätze auf Seite 22, aber die haben mich wirklich gestört. Die Autorin schreibt, dass soziale Medien jenen Gehör verschaffen, die sonst nicht gehört werden, etwa psychisch Kranken. In gewisser Weise stimmt das, aber nicht auf Instagram. Hierzu eine Anekdote aus meiner Erfahrung: ich postete ein Bild über das Buch „Leben lassen“ von Brigitte Schwaiger und setzte den Hashtag #depression. Das war völlig passend, denn Schwaiger litt an Depressionen und beschreibt in dem Buch ihre Aufenthalte in einer psychiatrischen Klinik. Zunächst wurde ich von Instagram gefragt, ob ich Hilfe benötige. Nein! Und überhaupt: sorry, das ist übergriffig. Nur weil ich ein Wort wie Depression benutzt habe! Was soll das? Dann das nächste: Insta meldet „Aktuelle Beiträge von #depression sind derzeit verborgen, da die Community einige Inhalte gemeldet hat, die eventuell die Instagram-Richtlinien verletzen.“ Oh toll. Wenn ich den Hashtag lasse, bleibt mein Posting unsichtbar. So kann man sich nicht vernetzen oder das Stigma durchbrechen. Ich hab es übrigens an mehreren Tagen wieder versucht, immer das gleiche Ergebnis.

Ein paar Erbsen habe ich noch, aber die gehen auf das Konto des Verlages: der Untertitel ist auf dem Cover und auf dem Titelblatt im Buchinneren unterschiedlich. „so wird man Influencer“ und „so wirst du Influencer“. Auf dem Cover sind irritierenderweise Stockfotos abgebildet – und das bei einem Social-Media-Buch. Die Schwarz-weiß-Fotos im Buch sind grottenschlecht abgedruckt, ich habe sie mir dann lieber auf @luiseliebt auf Instagram angeschaut.

Fazit: doch, doch, das ist positiv. Sehr positiv! Ein informatives, interessantes, klar aufgebautes und gut geschriebenes Buch, das einen Blick hinter die Kulissen einer Influencerin erlaubt. Dazu jede Menge Informationen, die auch für Menschen, die Social Media nicht professionell betreiben wollen, brauchbar sind.

Bonus: Verlagshomepage mit Leseprobe

 

Auf dem Foto ist außer „Follow me!“ in Teilen zu sehen: Artikel aus Maxi 03/2018, Madonna 10.3.2018. Buch: „Schreiben unter Strom“ von Stephan Porombka

 

Arabella Carter-Johnson: Iris und Thula

Die Katze, die unsere Familie rettete.

Wie immer gilt: glaubt dem Untertitel nicht. Schaut auf den Originaltitel, „Iris Grace“. Der passt viel besser. Es geht nämlich um ein autistisches Mädchen, Iris Grace. Die Katze Thula ist wichtig, aber kein Hauptbestandteil der Geschichte. Thula taucht erstmals auf Seite 227 (von 368) auf.

Das Buch wurde von Iris‘ Mutter geschrieben. Diese steuerte auch die vielen entzückenden Fotos bei. Außerdem sind einige von Iris‘ beeindruckenden Bildern abgedruckt sowie bezaubernde Illustrationen von Alice Tait.

Arabella Carter-Johnson beschreibt zunächst kurz die Vorgeschichte – wie ihre Beziehung mit Iris‘ Vater begann – und dann detailliert das Leben mit einem autistischen Kind. Sie merkt früh, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmt, aber bis zur Diagnose dauert es lang und braucht viel elterliches Engagement. Dieses Engagement ist auch weiterhin nötig, denn Iris entsprechend zu fördern und zu unterstützen erweist sich als außerordentlich schwierig. Langsam entdeckt die Mutter Iris‘ Ressourcen: Musik, Malen und die Katze. Iris malt unglaublich intensiv, ihre Bilder sind echte Kunstwerke. Auch zur Musik hat sie eine starke Beziehung. Und zur Katze Thula, zu der vom ersten Moment an eine besondere Verbindung besteht. Thula hilft Iris, selbstbewusster zu werden und mit der Welt besser zurecht zu kommen. Ganz abgesehen davon, diese sensationelle Katze ist wunderschön, eine Maine-Coon.

Die Lektüre war an manchen Stellen richtiggehend schmerzhaft. Es ist unerträglich, welchen Schwierigkeiten sich die Eltern von autistischen Kindern gegenüber sehen. Arabella Carter-Johnson hat aber nicht aufgegeben, ihre tiefe Liebe zu ihrem Kind ist immer spürbar.

Hervorzuheben ist – weil es bei Selbsterfahrungsbüchern keinesfalls selbstverständlich ist – dass die Autorin wirklich gut schreiben und beschreiben kann. Auch ihre Fotos sind aussagekräftig, war sie doch Hochzeitsfotografin.

Fazit: eine realistische und berührende Schilderung einer Mutter, die das Beste für ihr autistisches Kind will und sich auf dessen Ressourcen, nicht auf die Schwächen, konzentriert.

Homepage von Iris, auf Englisch, mit Videos und Fotos von Iris Graces Bildern

Independet, auch Englisch

HuffPost, deutsch

 

Antje Schrupp: Vote for Victoria!

Das wilde Leben von Amerikas erster Präsidentschaftskandidatin Victoria Woodhull (1838 – 1927)

Was für eine unglaubliche Lebensgeschichte! Victoria Woodhull stammte aus der sozialen Unterschicht, um nicht zu sagen, aus kleinkriminellen Verhältnissen. Schon als Kind arbeitete sie als Wunderheilerin und Hellseherin. Später behauptete Woodhull, der Geist von Demosthenes hätte ihr Anweisungen für ihr Leben gegeben.

Mit 15 Jahren heiratete sie das erste Mal und bekam zwei Kinder. Mit ihrem Mann lebte sie zeitweise in San Francisco und verdiente ihren Lebensunterhalt in Bars, eventuell auch mit Prostitution.

Mit 26 ließ sie sich scheiden und arbeitete wieder als Geistheilerin. So lernte sie auch ihren zweiten Mann, James Blood, kennen.

Ab 1868 lebten sie in New York, gemeinsam mit ihrer Schwester Tennessee. Vanderbilt zählte zu ihren Kunden – im spiritistischen Bereich. Durch geschickte Spekulation wurde Victoria am Schwarzen Freitag reich. Und dann ging es erst richtig los:

Die beiden Schwestern wurden die ersten Brokerinnen an der Wall Street. Victoria interessierte sich zunehmend für die Frauenbewegung und war fest entschlossen, darin eine Rolle zu spielen. Für sie waren auch soziale Fragen wichtig, nur das Wahlrecht allein würde die Probleme der Frauen nicht lösen.

Victoria Woodhull war die erste Frau, die vor dem Rechtsausschuss des Kongresses sprach. Damit errang sie auch die Aufmerksamkeit der wichtigsten Frauen der Frauenbewegung. Weiters gründete sie ihre eigene Zeitschrift und eine sozialistische Partei. Woodhull schrieb auch Bücher und hielt Vorträge. Ihre Haltung zur „freien Liebe“ löste Skandale aus.

Die Kandidatur zur Präsidentschaft gab sie per Zeitungsannonce bekannt. Ich halte das jedoch nur für einen PR-Gag: zu dieser Zeit gab es weder das aktive noch das passive Wahlrecht für Frauen. Zudem war sie zu jung. Auch ein Mann hätte in diesem Alter nicht kandidieren dürfen. Selbstverständlich wurde sie nicht zur Wahl zugelassen.

Später lebte sie in Großbritannien und heiratete (von James Blood hatte sie sich längst scheiden lassen)  zum dritten Mal, diesmal reich. Victoria beschäftigte sich nun mit Soziologie und Psychologie, Geburtenkontrolle war aber immer noch ein Thema. Nach dem Tod ihres Mannes gründete sie  eine Landwirtschafts- und Gartenbauschule für junge Frauen.

Unglaublich, dass das alles in einem Leben Platz hatte!

Blog von Antje Schrupp

Artikel von Schrupp im Standard

Rezension in der SZ

Rezension in Titel Kulturmagazin