John Irving: Das Hotel New Hampshire
Wenn ich schon ein Internetcafé zum Bloggen nutzen muss, dann richtig. Dieser Artikel geht von der Krugerstraße aus online. Es gibt hier nämlich ein Hotel, und fast gegenüber statt dem im Buch erwähnten Kaffeehaus ein Internetcafé. Da sitze ich gerade – für das Posten dieser Besprechung gibt es keinen besseren Ort.
Warum gerade die Krugerstraße? Na, weil sie im vorliegenden Roman eine Rolle spielt. Irving erzählt in „Das Hotel New Hampshire“ eine Familiengeschichte vom Kennenlernen der Eltern an bis in die 40er der Kinder Frank, John (der Ich-Erzähler), Franny, Lilly und Egg.
Es ist eine seltsame Familie, zu deren Mitgliedern auch immer wieder Bären zählen. Aber der Zusammenhalt und die Rituale, die sie entwickeln, sind bemerkenswert. Im Familienbesitz sind immer wieder Hotels, zunächst in New Hampshire, dann für sieben Jahre in Wien, später in Maine. Hier kommt die Krugerstraße ins Spiel, das ist nämlich die Adresse des Wiener Hotels. Ein eigenartiges Hotel, ein Stockwerk gehört Huren, eines Revoluzzern. Gäste gibt es kaum, dafür einen menschlichen Bären. So nebenbei rettet die Familie auch die Wiener Oper vor einen Anschlag, aber das zu erklären wäre zu umständlich.
Irving packt unglaublich viel in den Roman: Vergewaltigung, Tod von Familienmitgliedern, Bären, Selbstmord, den geplanten Anschlag auf die Oper, jede Menge skurile Nebenfiguren. Bei jedem anderen würde ich sagen: überladen, viel zu viele Themen. Bei Irving nicht. Er ist ein begnadeter Geschichtenerzähler dem ich alles abkaufe, gerne abkaufe. Sogar, dass Bruder und Schwester miteinander schlafen. Das wäre normalerweise die Sorte Tabubruch, bei der ich mich nur angeekelt abwende…
Gut, bei einem 600-Seiten-Buch könnte man immer etwas kürzen. Etwas ausufernd ist Irvings Erzählstil schon. Aber solange es dem Autor gelingt, mich zu faszinieren und zu fesseln ist das kein Kritikpunkt.
Fazit: einfach ein schönes Leseerlebnis
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