Strikt subjektive Meinungen zu privater Lektüre

Marie-Sabine Roger: Das Labyrinth der Wörter

Ich-Erzähler Germain ist Mitte 40, nicht besonders klug, tut sich schwer beim Lesen, hat keinen Beruf gelernt, lebt in einem Wohnwagen. Am liebsten zählt er die Tauben im Park, schnitzt kleine Holztierchen oder schreibt seinen Namen auf ein Kriegerdenkmal.
Sein Leben ändert sich, als er im Park eine zarte alte Dame, Margueritte, kennen lernt. Sie ist liebenswert und gebildet, und auch sie liebt das Taubenzählen.

Eine ungewöhnliche Freundschaft entsteht. Durch den Kontakt mit Margueritte kommen Germains gute Seiten zum Vorschein, er lebt auf, geht mit seinen Mitmenschen anders um. Und Margueritte beginnt, ihm vorzulesen. Germain bekommt sogar ein Wörterbuch, mit dem er mühsam umzugehen lernt.

Ich habe mir aufgrund des Klappentextes mehr Bezug zur Literatur erwartet. Aber die beiden lesen lediglich vier Bücher – mit denen sich Germain durchaus eingehend beschäftigt. Allerdings spielen sehr viele andere Dinge eine Rolle, und die Veränderung, die er erlebt, hat mit Margueritte zu tun, nicht nur mit der Literatur.

Eigentlich ist es ein hübsches Buch. Ich hab’s die meiste Zeit lächelnd gelesen. Allerdings finde ich es… schwer auszudrücken… ich finde es nicht aufrichtig. Germains simple Art, seine Sprache, sein Gehabe, das erscheint mir aufgesetzt. Dieser reine Tor ist mir eine Spur zu dick aufgetragen um mich wirklich berühren zu können. Ein Zitat von ihm: „Wörter sind wie Schachteln, in die man seine Gedanken einsortiert, um sie den anderen besser präsentieren und verkaufen zu können.“ Das klingt schon sehr nach: „Life is like a box of chocolates… you never know what you’re gonna get!” aus Forrest Gump. Aber ich hab’s immer schon mit Bruce Springsteen gehalten: “”Now life’s like a box of chocolates,/You never know what you’re going to get / Stupid is as stupid does and all the rest of that shit” (My Best Was Never Good Enough)

Und noch eine kleine Maulerei: ich habe die Tauben auf dem Cover gezählt. Es sind zu viele!

Fazit: nette Lektüre ohne das gewisse Etwas. Ich bin aber davon überzeugt, dass dieses Buch viele begeistern wird.

Verlagsseite mit Leseprobe
Brigitte
NDR Kultur
Readme
Bibliophilin

Comments on: "Marie-Sabine Roger: Das Labyrinth der Wörter" (4)

  1. Die Beschreibung des Buchinhalts finde ich eigentlich sehr ansprechend, deine Bewertung zusammen mit dem Zitat von Germain lässt mich dann aber doch wieder zögern …

    Du kannst doch meinen Geschmack inzwischen bestimmt ein wenig einschätzen – meinst du, ich sollte das Buch mal auf die Wunschliste packen oder meine Zeit besser nutzen?

  2. leselustfrust schrieb:

    Puh, schwierige Frage. Ich glaub schon, dass ich deinen Geschmack inzwischen halbwegs kenne und dass der meinem recht ähnlich ist. Aber bei dem Buch bin ich selbst unentschlossen.

    Also: schlecht ist es nicht. Ich kritisiere hier schon auf eher hohem Niveau.
    Zitate wie das obige gibt es nicht viele, und eher beiläufig eingestreut (ich finde die schon recht gewollt, so in der Art “gib den Rezensenten was zum Zitieren”).
    Ich selbst habe die Lektüre nicht als Zeitverschwendung empfunden, und der Eindruck, den ich oben geschildert habe, ist ein sehr persönlicher.

    Ich kann dir also nur raten, die Leseprobe anzuschauen.

  3. Ich nehms dann wohl mal auf meine Flohmarktliste und schlag nur zu, wenn ichs preisgünstig kriege. Ist ja nicht so, als hätte ich nicht genug anderes zu lesen! :)

  4. [...] Marie-Sabine Roger: Das Labyrinth der Wörter March 20103 comments 4 [...]

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