Shane Jones wurde 1980 in Albany, New York, geboren. „Thaddeus und der Februar“ ist sein erstes Buch und erschien erstmals 2009 unter dem Titel „Light Boxes“. Die Filmrechte sind bereits an Spike Jonze („Wo die wilden Kerle wohnen“) verkauft.
In einer namenlosen Stadt herrscht seit über einem Jahr der (personifizierte) Februar. Die Bevölkerung leidet an der andauernden Kälte und dem Schnee, aber es passieren auch viele merkwürdige Dinge. Kinder verschwinden, das Fliegen ist verboten, eine Moosplage quält Mensch und Tier, der Himmel hat zwei Löcher,…
Eine Gruppe ehemaliger Ballonfahrer beschließt, dem Februar den Krieg zu erklären. An ihrer Spitze steht Thaddeus, der es auch schafft, bis zum Februar vorzudringen. Auch die verschwundenen Kinder, die die Stadt untertunnelt haben, haben einen Plan.
Ich habe dieses Buch anfangs für ein Kinderbuch gehalten. Auch wenn viele märchenhafte Elemente vorkommen, ich wäre vorsichtig, es einem Kind zum Lesen zu geben. Zu groß ist die Alptraumgefahr, zu viele extrem grausame Dinge passieren: Kinder verschwinden, andere Kinder drehen Eulen die Hälse um, Menschen sterben mit Schnee im Mund, ein Mann wird mit aufgeschlitztem Leib gefunden (das ist sogar illustriert). Auch wenn das alles relativiert wird – die Toten sind am Ende wieder lebendig – und es in den bekannten Märchen ebenfalls nicht zimperlich zugeht, sind das heftige Szenen.
Das liegt auch daran, dass Jones eine sehr bildhafte Sprache benutzt. Man hat beim Lesen den Eindruck, in ein surrealistisches Bild gestiegen zu sein. Die Regeln der Logik und Naturgesetze sind außer Kraft, nicht aber die innere Logik der Geschichte.
Mit einfachen Sätzen (man lasse sich bloß nicht von der vordergründigen Einfachkeit täuschen!) schafft es der Autor, die trostlose Februar-Stimmung den gesamten Roman über aufrecht zu erhalten.
Andere Stilmittel sind eher der experimentellen Literatur zuzuordnen: unterschiedliche Schriftgrößen, auf manchen Seiten ist nur ein einziger Satz, immer wieder sind Listen in den Text eingefügt.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven (insofern ist der deutsche Titel, der auf Thaddeus verweist, irreführend), immer in kurzen, wechselnden Passagen. Auf diese Art fügt der Autor eine Art Mosaik, das am Ende ein stimmiges Bild ergibt, zusammen.
Fazit: ein überraschendes Buch, märchenhaft, poetisch, surrealistisch, verstörend und intensiv.
Ich habe ein Rezensionsexemplar gelesen, „Thaddeus und der Februar“ wird passend zum Titel im Februar 2010 erscheinen.
Website zum Buch mit Autorneninterview und Leseprobe
Blog des Autors
Papiergeflüster
Gently Read Literature
Ridivider
Comments on: "Shane Jones: Thaddeus und der Februar" (1)
[...] mögen, wenn sein Buch genau diesen Effekt hat – Fragezeichen, Überraschung & Staunen. Beim „Leselustfrust“ hat das Buch wiederum Gefallen gefunden und einen Platz in der Kategorie „Gute Romane, Winter“ [...]