Was kennzeichnet ein schlechtes Buch? Wenn man diese Frage doch nur so leicht beantworten könnte… dabei führe auch ich die Rubrik „schlechte Romane“.
Ich versuche es mit Stichworten:
- doofe Heldin
- langweilig
- unlogisch
- nicht spannend (gilt für Krimi/Thriller)
- pseudo-intellektuell
- alles aus dem Esoterikbereich
- falscher Gebrauch von Fremdworten
- schlechte Übersetzung (Sinn machen! Diät-Cola!)
- nicht nachvollziehbare Gedankensprünge
- Klischees (nicht unbedingt – mit Klischees kann man auch gekonnt spielen)
- holpriger Stil
- Frauen-, Fremden- oder sonstige –feindlichkeit
- verstecktes Moralisieren (offen ist ok, selbst wenn ich anderer Meinung bin), Propaganda
- Plot beruht ausschließlich auf Zufall oder Naivität des Protagonisten
- aufgeblasene Geschichte
- Motivation des Protagonisten ist nicht nachvollziehbar
- zäh
- bei Sachbüchern: fehlende Quellenangaben, unbelegte Behauptungen, unvollständige Literaturliste
- Schulaufsatzstil
- Anhäufung von Phrasen
- Peinlichkeiten
- Struktur der Geschichte ist leicht erkennbar und/oder wie aus dem Creative-Writing-Kurs
- fehlendes Lektorat
- Kitsch
- unausgewogene Beschreibungen (zu viel, zu wenig, dem Leser wird vorgeschrieben, wie er zu denken hat)
- Handelnde Personen bleiben flach, leblos
- gehäufte Stilblüten
- Methaphern-Überschwemmung
Eine lange Liste, und man kann sie vermutlich noch fortsetzen. Aber sie ist nur ein Anhaltspunkt. Ein Buch kann viele dieser Punkte erfüllen und objektiv schlecht sein, und ich mag es trotzdem (ich sage nur: Pierre Emme).
Ich finde es jedes Mal lustig, wenn irgendein Prominenter in einem Interview erzählt, er lese gern ein gutes Buch. Damit entlarvt er sich als Nichtleser. Wir, die wir viel lesen, wissen es besser: so einfach ist die Sache nicht.
Kein einziges Buch, das ich mir ausgesucht habe, habe ich zu diesem Zeitpunkt für schlecht gehalten. Ganz im Gegenteil, ich freute mich auf die Lektüre. Irgendwann, sei es auf den ersten Seiten, sei es erst am Ende, stellte sich dann aber bei dem einem oder anderen heraus, dass es mies war. Ich lese auch schlechte Bücher, und ich lese manchmal GERNE schlechte Bücher, richtigen Schund. Ich bin nur nicht so fies, dass ich schlechte Bücher empfehle.
Natürlich gibt es Autoren, von denen ich freiwillig kein weiteres Buch anrühren würde, zB Murakami, Stephenie Meyer, Coelho oder das Gänschen Ahern. Automatisch die Lektüre ablehnen entspricht mir aber nicht, dafür bin ich viel zu neugierig. Zumindest versuchen kann ich’s ja.
(Das ist mein Beitrag zu Sternenwanderers Blogparade … kein schlimmerer Dieb als ein schlechtes Buch)
21. Juli 2009 at 02:41
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