Erstmals gebloggt im Oktober 2008

Ein sehr feines, bezauberndes, entzückendes und absolut empfehlenswertes Buch, leider sehr kurz: magere 115 Seiten. Die allerdings haben es in sich: die Queen entleiht sich mehr zufällig und aus Höflichkeit ein Buch, liest es ebenfalls aus Höflichkeit und verfällt dem Lesen. Unterstützt wird sie vom Küchenjungen Norman, der Rest ihrer Umgebung reagiert mit Unverständnis. Die Queen liest zu allen Gelegenheiten, während sie in der Kutsche dem Volk zuwinkt, auf Reisen (wunderbar die Beschreibung, wie sie einen Sommerurlaub für die Lektüre von Proust nutzt), in jedem freien Moment.

Ihre Pflichten erfüllt sie gerade noch, und auf Staatsempfängen und Audienzen wird über Bücher gesprochen. Immer tiefer dringt sie in die Literatur ein, wird sicherer, selbstbewusster, macht sich Notizen und gelangt so zum Schreiben. An ihrem 80. Geburtstag lässt sie schließlich die Bombe platzen.

Die Queen wird zwar sehr liebenswert, aber nicht verkitscht dargestellt. Sie zeigt durchaus Krallen, entlässt ohne weiteres Personal und macht Schwierigkeiten. Aber durch alle Seiten dieses Buches zieht sich die Liebeserklärung an das Lesen, mehr noch, an die Lesebessesenheit, mit hervorragend zitierbaren Sätzen.

Ein paar Beispiele:

„“Natürlich“, sagte die Queen, „aber Informieren ist nicht gleich Lesen. Es ist im Grunde sogar der Gegenpol des Lesens. Information ist kurz, bündig und sachlich. Lesen ist ungeordnet, diskursiv und eine ständige Einladung. Information schließt ein Thema ab, Lesen eröffnet es.““

„“Die Zeit vertreiben?“ fragte die Queen. „Bücher sind kein Zeitvertreib. Sie handeln von anderen Leben. Anderen Welten. Man will sich ganz und gar nicht die Zeit vertreiben, Sir Kevin, man wünscht im Gegenteil mehr davon. Wenn man sich die Zeit vertreiben wollte, könnte man nach Neuseeland reisen.““

„Ein Buch ist ein Sprengsatz, um die Phantasie freizusetzen.“

„Man legt sein Leben nicht in seine Bücher. Man findet es in ihnen.“

Bei diesem Buch passen übrigens Inneres und Äußeres perfekt zusammen: es hüllt sich in feines Leinen in königlichem Rot, die Schrift auf dem Umschlag ist in edlem Silber.

WDR
Wiener Zeitung
Mein Leben als Leser (Danke für diese Empfehlung!)
Die Leselust
Büchereule
Elke Heidenreich hat das Buch empfohlen – für mich normalerweise ein Grund, es auf gar keinen Fall zu lesen, allerdings gibt es auch eine Empfehlung von Denis Scheck, und der hat immer Recht.