Erstmals gebloggt am 18.5.09

Zuerst die Frontenklärung: MTViva hat mich nie besonders interessiert. Allerdings gab es eine Zeit, wo man den Moderatoren-Gören kaum ausweichen konnte. Schon damals fand ich Kuttner zumindest halbwegs cool, Roche hingegen schwer überschätzt. „Feuchtgebiete“ werde ich mit Sicherheit nicht lesen. Es hat den allereinfachsten Test, das Anlesen in der Buchhandlung, nicht überstanden. Langweilig.

Kuttners Kolumnensammlungen habe ich mit Amüsement gelesen. Von „Mängelexemplar“ habe ich mir etwas Ähnliches erwartet. Das Hingerotzte, Lässige, das die Kolumnen auszeichnet, funktioniert allerdings im Roman überhaupt nicht. Hier wirkt dieser Stil einfach nur schlampig und unausgegoren.

Karo heißt die Ich-Erzählerin. Und Karo erzählt wie Sarah. Kein Unterschied im Ton. Das ist irritierend, oder soll es ein wenig dezenter Hinweis auf Autobiographisches sein?

Karo also. Ende zwanzig, Medientussi aktuell ohne Job und sehr schnell auch ohne Beziehung, dafür aber mit einer ausgewachsenen Depression. Viel mehr Handlung hat die Geschichte nicht, es geht um Karos Zurechtkommen mit dieser schweren Krankheit. Ein bisschen märchenhaft, denn Karo bekommt von allen Seiten Unterstützung, und am Ende hat sie einen neuen Freund und einen neuen Job.

Es ist anerkennenswert, wenn jemand wie Sarah Kuttner das Thema Depression behandelt und den Leuten ein paar Basics beibringt. Dass „Zusammenreißen“ nicht funktioniert, dass eine Depression eine schwere Krankheit und keine Befindlichkeitsstörung ist, dass Medikamente bei der Behandlung eine wichtige Rolle spielen und Antidepressiva nicht süchtig machen. Für die Entstigmatisierung psychischer Krankheiten ist so etwas mit Sicherheit nützlich. Ein guter Roman braucht aber mehr.

Fazit: zäh, zäh, zäh. Lesbar, mehr nicht.

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