Eigentlich sind diese Kochbücher noch gar nicht sooo alt, beide erschienen 1968 im Heyne Verlag als Taschenbücher in der „Praktischen Reihe“.
Nummer eins heißt „Kalte Gerichte und Salate“, und der Untertitel ist recht ausführlich geraten: 350 Rezepte der Kalten Küche, für Familie und Gäste, für Alltag und Feste. Die Autorin ist Sigrid Press.
Normalerweise interessieren mich erste Sätze ja weniger, aber hier finde ich die Einleitung erwähnenswert:
„Durch die Gleichberechtigung der Frau und ihre damit fast selbstverständliche Berufstätigkeit hat wohl die Kalte Küche im Familienkreis wie auch in der Bewirtung von Gästen eine nie dagewesene Bedeutung erhalten.“
Ich enthalte mich lieber des Kommentars… aber möge eine Frau in vierzig Jahren über das, was wir heute unter Gleichberechtigung verstehen, genauso grinsen wie ich heute über die Ansichten aus den 60ern.
Nummer zwei nennt sich „Das Menü“ und ist von Theodor Böttiger. Der Untertitel ist hier sogar noch ausufernder: Wie man Speisenfolgen mit mehreren Gängen richtig zusammenstellt und welches Getränk zu jedem Gang gehört. Mit über 250 Rezepten für große und kleine Menüs.
Auch der erste Satz schlägt den im ersten Buch um Längen: „Am 25. Dezember 1853 starb, nur 49 Jahre alt, der Psychiater Gustav B. Blumröder in seiner Heimatstadt Nürnberg.“
Hinreißend – was für ein Beginn für ein Kochbuch! (Na gut, es relativiert sich, der gute Psychiater schrieb nämlich ein Buch mit dem Titel „Vorlesungen über Eßkunst“.)
Die Rezepte sind, vorsichtig ausgedrückt, historisch. Im Buch über die kalten Gerichte gelten Ananasspalten, Mandarinenscheiben und Oliven noch als exotisch – das hätte ich eher den 50ern zugeordnet. Vieles – das gilt für beide Bücher – wird mit Unmengen Mayonnaise zubereitet, dazu noch Ketchup, und Früchte und Gemüse aus Dosen werden behandelt wie frische Zutaten. Nicht gerade verlockend. Die Kombination süß-pikant wird gehörig überstrapaziert. Eigentlich mag ich zB Früchte zu Fleisch oder Fisch (mein Lieblingsessen derzeit ist ein Fischeintopf mit Banane und Ananas), aber hier ist es sogar für mich übertrieben.
„Kalte Gerichte und Salate“ ist vor allem ein Rezeptbuch, „Das Menü“ enthält zwar auch Rezepte, vor allem aber jede Menge Theorie zur Zusammenstellung. Die Beispielmenüs fand ich besonders interessant (wenn auch nicht nachahmenswert), vor allem die gewählten Anlässe.
Bei „Die Eltern haben Geburtstag“ wird streng zwischen Vater und Mutter unterschieden. Es ist natürlich vor allem die Aufgabe der Töchter, Mamas Geburtstagessen zuzubereiten (solange sie dazu noch zu klein sind, muss Papa aber nicht selber kochen, sondern darf ins Restaurant einladen). Mama bekommt also Ochsenschwanzsuppe aus der Dose, gekauftes Brathähnchen, dazu Erbsen, Champignons und Artischockenböden (alles aus der Dose), als weitere Beilage Kartoffelchips. Papas Geburtstagsessen wird aus frischem Fleisch und Gemüse zubereitet.
Für die Tochter des Hauses wird ein Verlobungsmenü vorgeschlagen, für den Sohn (zB als Abiturfeier) gibt es eine „Feier für den Sohn des Hauses“. Dafür wird bei „Junggesellen laden ein“ ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dies für beide Geschlechter gilt.
Fazit: war lustig. Aber Nachkochen werde ich auf keinen Fall etwas.
Beide Bücher sind von BookCrsossing, wer Lust hat, kann ihren weiteren Weg verfolgen (sollte jemand Lust haben, eines der Bücher selbst zu lesen, gib mir einfach Bescheid, solange der Status auf “available” gesetzt ist):
”Das Menü” bei BookCrossing
”Kalte Gerichte und Salate” bei BookCrossing