Ab und zu habe ich in anderen Blogs neidisch von offenen Bücherschränken gelesen. Jetzt ist es endlich soweit: seit Freitag hat auch Wien einen! Man findet ihn im 7. Bezirk an der Ecke Zieglergasse/Westbahnstraße.

Für alle die, die das Konzept noch nicht kennen: da steht auf dem Gehsteig tatsächlich ein Kasten (leicht schräg gestellt, mit Glastüren) voller Bücher. Jeder, der will, kann sich Bücher daraus nehmen oder welche hineinstellen. Völlig kostenlos, allerdings darf man diese Bücher nicht weiterverkaufen. Im Gegensatz zu BookCrossing muss man sich auch nicht registrieren. (Man kann den Bücherschrank allerdings als CrossingZone nutzen.)
Tolle Idee!

Heute habe ich den Bücherschrank besichtigt. Es war ziemlich viel los, mehrere Menschen brachten Bücher, klebten Sticker mit dem Aufdruck „Offener Bücherschrank“ auf die Werke und/oder begutachteten den Inhalt.
Die Auswahl ist sehr bunt gemischt, deutsch und englisch, Hardcover und Taschenbuch, alt und neu, Romane und Ratgeber, Kinderbücher und Literatur für Erwachsene. Ich habe Bücher von Nick Hornby gesehen, Isabel Allende, Christine Nöstlinger, Daniel Pennac, Alice Sebold, Plum Sykes etc.

Ein Buch habe ich mitgenommen, und das nächste Mal bringe ich auch welche mit. So, wie’s ausschaut, entwickelt sich das Projekt gut. Sehr erfreulich.

Offener Bücherschrank
Artikel im “Standard”
Vienna.at
ORF Wien
eliterator
biber

Vor über einem Jahr habe ich dieses Buch gekauft, als Reserve für akute Chick-Lit-Anfälle. In der Zwischenzeit habe ich mehrmals versucht, es zu lesen, aber es immer wieder weggelegt. Beim letzten Versuch markierte ich Seite 40.

Ok, neuer Anlauf: ich lese einfach da weiter wo ich aufgehört habe. Oh Gott, die Autorin bzw Ich-Erzählerin ist noch immer dabei, die Personen einzuführen. Auf Seite 40! Und nichts Kompliziertes! Muss das sein?

Ich lasse mich dennoch nicht entmutigen und mache weiter. Es folgen einige Slapstick-Szenen der peinlichsten Art. Toll. Eine Heldin, deren IQ gerade zum Sprechen ausreicht.

Jetzt reicht’s. Bis Seite 92 habe ich mir diese Zeitverschwendung angetan. 92 Seiten zuviel.

Büchereule
Rezension von Alina Wegner
Verführerische Schriften
Screwy

So. Jetzt habe ich mich auch über dieses in vielen Blogs angepriesene Buch getraut. Die allgemeine Begeisterung kann ich nicht teilen.

Ein Pageturner ist „Rubinrot“ durchaus, das will ich nicht bestreiten. Ich werde auch „Saphirblau“ lesen. (Der Verlag kann nur gerade nicht liefern. Ich frage mich schon, wie ein Buch, das nicht ausgeliefert werden kann, auf der Bestsellerliste stehen kann. Oder gelten die Lieferschwierigkeiten nur für Österreich?). Der Grund ist einfach: die Geschichte ist so simpel, dass man wirklich gut abschalten kann, aber doch nicht so schlecht, dass man sich ärgern muss. Um ehrlich zu sein, im Fantasy-Bereich ist das so selten, dass es durchaus als Kompliment gewertet werden kann.

Was mich stört, ist, dass es so gut wie keine Handlung gibt (Und bei dieser Art Literatur MUSS es zwingend Handlung geben. Um die philosophischen Probleme des Zeitreisens geht’s nämlich mit Sicherheit nicht). Gwen erfährt, dass sie Zeitreisende ist, macht ein paar Zeitsprünge und steht vor vielen Geheimnissen. Das ist es doch schon! Sehr viele Seiten für sehr wenig Story. Nicht mal die Liebesgeschichte, die der Untertitel verspricht, gibt es: Gwen lernt Gideon kennen, findet ihn attraktiv, und zum Schluss gibt es einen Kuss ohne dass irgendwie klar wird, warum Gideon Gwen küsst. Ist ihm langweilig beim Warten?

Gier schafft es, diese Handlungsarmut mit einem flüssigen Stil zu kaschieren. Wie schon gesagt, es ist ein Pageturner. Kein Wunder, es gibt jede Menge Geheimnisse, die auch am Ende kaum gelüftet sind.

Richtig schlimm ist aber das Coverbild: völlig überladen und verkitscht. Wenn ich aber die positiven Reaktionen darauf lese, dürfte es doch dahingehend gelungen sein, dass es die Zielgruppe anspricht. Also gut. Warum aber ein Buch, dass „Rubinrot“ heißt, äußerlich unbedingt rosarot gestaltet werden muss, verstehe ich nicht.

Fazit: Pure Fast-Food-Lektüre, und manchmal tut das einfach gut.

Website zur Trilogie
Libromanie
Lilly Berry
Auglias Buchstabensuppe
Papiergeflüster
Tines Bücherwelt

Ein Apotheker packt aus

Wieder einmal ein Buch, das sich gegen die “Alternativmedizin” wendet. Zwei Punkte sind hervorzuheben: Edmundt Berndt ist Apotheker, was eine neue Sichtweise in diese Art Bücher einbringt. Außerdem wirft er die Frage nach dem Patientenschutz auf, was ich sehr interessant und berechtigt finde.

Gastkommentare gibt es von Ulli Maas, Beda M. Stadler, Walter Weiss und Theodor Much, dazu ein Vorwort und Heinz Oberhummer. Das erste Kapitel enthält einen Text über Scharlatanerie von Grete de Francesco aus dem Jahr 1936. Kein einfacher Anfang, aber durchaus bereichernd.

Der restliche Inhalt ist nichts Neues, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt. Wichtig, richtig, berechtigt, und es wird wieder einmal nicht zur breiten Öffentlichkeit durchdringen. Wo soll man auch anfangen, wenn Werbung und Medien das Loblied der Alternativen singen, wenn die Gesellschaft die Aufklärung verleugnet und lieber magischem Denken huldigt, ohne sich zum Teil dessen bewusst zu sein (wie oft muss es noch gesagt werden, dass Naturmedizin und Homöopathie nicht das Gleiche sind?).

Wer noch immer an Alternativmedizin glaubt, wer der Annahme ist, dass Wissenschaft nur eine von vielen beliebigen Meinungen ist, sollte das Buch unbedingt lesen. Ein bisschen polemisch ist es, teilweise satirisch, ich finde das nett. Die Erklärungen sind gut nachvollziehbar, ein Anhang mit weiteren Lektüreempfehlungen fehlt bedauerlicherweise (im Text gibt es aber Hinweise).

Verlagshomepage
Wiener Zeitung
Kritisch gedacht
Lifestyle

Gelesen & Gehört:

  1. Marcus Rafelsberger, Menschenteufel, 414 Seiten
  2. Wallpaper City Guide Wien, 103 Seiten
  3. Claudia Toman, Hexendreimaldrei, 397 Seiten
  4. Marcus Sedgwick, Bei Einbruch der Nacht, 252 Seiten
  5. Ken Kesey, Einer flog über das Kuckucksnest (Hörbuch, 463 Minuten)
  6. Shane Jones, Thaddeus und der Februar, 176 Seiten
  7. Thomas Raab, Der Metzger sieht rot, 320 Seiten
  8. Lauren Weisberger, Der Teufel trägt Prada (Hörbuch, 280 Minuten)
  9. Umberto Eco, Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana (Inszenierte Lesung, 290 Minuten)
  10. Jan Christophersen, Schneetage, 366 Seiten
  11. Mark Twain, Huckleberry Finns Abenteuer (Hörspiel, 99 Minuten)
  12. Jasper Fforde, Irgendwo ganz anders, 410 Seiten
  13. Marjorie Hillis, Stilvoll sparen, 189 Seiten
  14. Sigrid Press, Kalte Gerichte und Salate, 160 Seiten
  15. Theodor Böttiger, Das Menü, 175 Seiten
  16. Gayle Forman, Wenn ich bleibe, 271 Seiten
  17. Amelie Fried, Die Findelfrau (Hörbuch, 280 Minuten)
  18. Edmund Berndt, Der Pillendreh, 288 Seiten
  19. Kerstin Gier, Rubinrot, 345 Seiten

Abgebrochen:

  1. Michael Ende, Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch, auf Seite 106
  2. Zoran Drvenkar, Sorry (Hörbuch)

Gekauft:

  1. Wallpaper City Guide Wien (deutsche Ausgabe)
  2. Claudia Toman, Hexendreimaldrei
  3. Marcus Sedgwick, Bei Einbruch der Nacht
  4. Marjorie Hillis, Stilvoll sparen
  5. Gayle Forman, Wenn ich bleibe
  6. Peter Henisch, Die kleine Figur meines Vaters
  7. Ben Goldacre, Die Wissenschaftslüge
  8. Kerstin Gier, Rubinrot

Kostenlos:
Bookcrossing:

  1. Theodor Böttinger, Das Menü
  2. Sigrid Press, Kalte Gerichte und Salate

Aktuelle SUB-Höhe: 16 Bücher

Ich lese gerade:
Peter Henisch, Die kleine Figur meines Vaters
Alexandra Potter, Die Wunschliste

Ich höre gerade:
Barbara Wood, Bitteres Geheimnis

Gelesen von der Autorin, 4 CDs, ca 280 Minuten, gekürzte Fassung

Holly Berger erfährt mit 36 Jahren, dass sie adoptiert wurde und nicht nur das, sie war auch ein Findelkind. Ihre heile Welt – sie ist erfolgreiche Autorin, hat Mann und zwei Kinder – stürzt in sich zusammen. Nicht nur ihre vermeintlichen Eltern, auch ihr Mann Chris haben sie ihr Leben lang belogen.
Holly lässt alles stehen und liegen und macht sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Viele Zufälle und unglaubwürdige Wendungen später ist alles wieder gut, sie hat ihre Mutter gefunden und die Ehekrise überstanden.

Ein klarer Fall von belangloser Berieselung. Amelie Frieds Stimme fand ich am Anfang angenehm, später monoton.
Die Handlungsweise der Protagonistin ist nicht im Entferntesten nachvollziehbar, der zu oft strapazierte Zufall macht die Geschichte erst möglich.

Es reicht gerade aus, dass ich so viel Interesse aufbrachte, mir das Buch zu Ende anzuhören.

Homepage der Autorin
Büchereule
Büchertreff
Buchwurm.info
Liisas Litblog

Irinas Besprechung und ihre deutlich merkbare Begeisterung für das Buch haben mich verleitet, es mir auf der Stelle zu bestellen. Etwas skeptisch war ich schon – heilloser Gefühlsaufruhr und Tränen bei der Lektüre passieren mir so gut wie nie.

Diesmal schon. Irina hat in allen Punkten vollkommen Recht. „Wenn ich bleibe“ führt somit die kurze Liste der Bücher, bei denen ich geweint habe, mit großem Abstand an.

Es geht um Mia, 17 Jahre alt, begabte Cellistin, glücklich verliebt in Adam, dazu noch eine liebevolle Familie. Alles perfekt, bis ein Autounfall an einem verschneiten Februartag alles ändert. Mias Eltern sterben sofort, ihr kleiner Bruder verliert den Kampf um sein Leben, und Mia liegt im Koma. Ihr Geist hat sich von ihrem Körper getrennt, sie verfolgt die Bemühungen der Ärzte und Schwestern, sieht Familie und Freunde, und vor allem muss sie sich entscheiden: gehen oder bleiben?
Mia erinnert sich in Rückblenden an ihr bisheriges Leben, an ihre Beziehung mit Adam, an die Geburt ihres Bruders, an ihre Liebe zu klassischer Musik, an ihren inneren Konflikt, wie ihr weiterer Weg aussehen soll.

Der zeitliche Rahmen der Geschichte ist eng gesteckt. Sie beginnt um 7:09 Uhr mit dem harmonischen Familienfrühstück vor dem Unfall und endet am nächsten Tag um 7:16 mit Mias Entscheidung im Krankenhaus. Die eigentliche Handlung (denn die Rückblenden erzählt Mia in der Ich-Form) spielt sich fast nur im Krankenhaus ab. Forman hält sich also recht eng an die Einheit von Zeit, Ort und Handlung, was sicher ein Grund für die emotionale Dichte des Buches ist.
Die eigentliche Leistung ist aber, dass sie es schafft, über die familiäre Katastrophe ohne Pathos und Sentimentalität zu schreiben. Und sie spielt mit den Emotionen des Lesers genauso gut wie Mia es auf ihrem Cello tut. Unglaublich. Kein Kitsch, keine unechten Gefühle. Einfach eine berührende, wunderbar erzählte Geschichte.

Schlimm ist nur das Cover. Himmelblau mit weiß und einer kleinen Blume. Ahern-Alarm! In der Buchhandlung hätte ich diesem Buch keinen zweiten Blick gewidmet.
Auch der Klappentext ist misslungen. Es wird zu viel verraten: dass Teddy stirbt, wird Mia erst sehr spät bewusst. Der Leser weiß es, einerseits aus dem Klappentext, andererseits, weil es nicht schwer ist, die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Ich möchte bitte NUR letzteres tun.
Außerdem wird Mias Konflikt zwischen Ausbildung und Liebe erst gegen Ende des Buches thematisiert, nach dem Klappentext habe ich dies viel früher erwartet.

Fazit: Ein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte, das mich tief berührt hat und ausgesprochen gut erzählt ist.

Homepage zum Buch
Gesellschaft Freunde der Künste
Büchereule
the whole kit and KABOODLE

Eigentlich sind diese Kochbücher noch gar nicht sooo alt, beide erschienen 1968 im Heyne Verlag als Taschenbücher in der „Praktischen Reihe“.

Nummer eins heißt „Kalte Gerichte und Salate“, und der Untertitel ist recht ausführlich geraten: 350 Rezepte der Kalten Küche, für Familie und Gäste, für Alltag und Feste. Die Autorin ist Sigrid Press.
Normalerweise interessieren mich erste Sätze ja weniger, aber hier finde ich die Einleitung erwähnenswert:
Durch die Gleichberechtigung der Frau und ihre damit fast selbstverständliche Berufstätigkeit hat wohl die Kalte Küche im Familienkreis wie auch in der Bewirtung von Gästen eine nie dagewesene Bedeutung erhalten.
Ich enthalte mich lieber des Kommentars… aber möge eine Frau in vierzig Jahren über das, was wir heute unter Gleichberechtigung verstehen, genauso grinsen wie ich heute über die Ansichten aus den 60ern.

Nummer zwei nennt sich „Das Menü“ und ist von Theodor Böttiger. Der Untertitel ist hier sogar noch ausufernder: Wie man Speisenfolgen mit mehreren Gängen richtig zusammenstellt und welches Getränk zu jedem Gang gehört. Mit über 250 Rezepten für große und kleine Menüs.
Auch der erste Satz schlägt den im ersten Buch um Längen: „Am 25. Dezember 1853 starb, nur 49 Jahre alt, der Psychiater Gustav B. Blumröder in seiner Heimatstadt Nürnberg.
Hinreißend – was für ein Beginn für ein Kochbuch! (Na gut, es relativiert sich, der gute Psychiater schrieb nämlich ein Buch mit dem Titel „Vorlesungen über Eßkunst“.)

Die Rezepte sind, vorsichtig ausgedrückt, historisch. Im Buch über die kalten Gerichte gelten Ananasspalten, Mandarinenscheiben und Oliven noch als exotisch – das hätte ich eher den 50ern zugeordnet. Vieles – das gilt für beide Bücher – wird mit Unmengen Mayonnaise zubereitet, dazu noch Ketchup, und Früchte und Gemüse aus Dosen werden behandelt wie frische Zutaten. Nicht gerade verlockend. Die Kombination süß-pikant wird gehörig überstrapaziert. Eigentlich mag ich zB Früchte zu Fleisch oder Fisch (mein Lieblingsessen derzeit ist ein Fischeintopf mit Banane und Ananas), aber hier ist es sogar für mich übertrieben.

„Kalte Gerichte und Salate“ ist vor allem ein Rezeptbuch, „Das Menü“ enthält zwar auch Rezepte, vor allem aber jede Menge Theorie zur Zusammenstellung. Die Beispielmenüs fand ich besonders interessant (wenn auch nicht nachahmenswert), vor allem die gewählten Anlässe.

Bei „Die Eltern haben Geburtstag“ wird streng zwischen Vater und Mutter unterschieden. Es ist natürlich vor allem die Aufgabe der Töchter, Mamas Geburtstagessen zuzubereiten (solange sie dazu noch zu klein sind, muss Papa aber nicht selber kochen, sondern darf ins Restaurant einladen). Mama bekommt also Ochsenschwanzsuppe aus der Dose, gekauftes Brathähnchen, dazu Erbsen, Champignons und Artischockenböden (alles aus der Dose), als weitere Beilage Kartoffelchips. Papas Geburtstagsessen wird aus frischem Fleisch und Gemüse zubereitet.

Für die Tochter des Hauses wird ein Verlobungsmenü vorgeschlagen, für den Sohn (zB als Abiturfeier) gibt es eine „Feier für den Sohn des Hauses“. Dafür wird bei „Junggesellen laden ein“ ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dies für beide Geschlechter gilt.

Fazit: war lustig. Aber Nachkochen werde ich auf keinen Fall etwas.

Beide Bücher sind von BookCrsossing, wer Lust hat, kann ihren weiteren Weg verfolgen (sollte jemand Lust haben, eines der Bücher selbst zu lesen, gib mir einfach Bescheid, solange der Status auf “available” gesetzt ist):
”Das Menü” bei BookCrossing
”Kalte Gerichte und Salate” bei BookCrossing

Mit Chic und Charme durch schwere Zeiten

Marjorie Hillis lebte von 1889 – 1971 und war Redakteurin der amerikanischen Vogue. Außerdem schrieb sie mehrere Ratgeber für alleinstehende Frauen, „Live alone and like it“ ist momentan auf Deutsch erhältlich.

„Stilvoll sparen“ erschien erstmals in den 30er Jahren. Die süßlich-rosa Aufmachung samt den altmodischen Illustrationen erinnert auch deutlich daran. Hillis geht es darum, Tipps für sinnvolles Sparen zu geben, also ein Abwägen, was nötig ist und was nur der Fassade dient. Und sie ist unbedingt dafür, das Geld auch für Unsinn auszugeben. Der Originaltitel lautet dementsprechend „Orchids on Your Budget or Live Smartly on What You Have“.

Manche Tipps sind hoffnungslos veraltet, zB die Gedanken darüber, ob eine verheiratete Frau einen Job haben soll. Andere Ratschläge liest man auch heute so ähnlich in den Frauenmagazinen, zB die zur Planung der Garderobe (heute halt ohne Hut).

Es ist eine niedliche Lektüre, historisch angehaucht, amüsant, in einem leichten (aber durchaus rechthaberischen, man könnte auch energisch sagen) Plauderton geschrieben. Eindeutig etwas für meine seltsame-Ratgeber-Ecke.

Süddeutsche
Modepilot
Schreiben kann jeder. Nur lesen mag’s keiner

Ein neuer Fall für Thursday Next

Hier gibt’s nicht viel zu sagen. Wer Thursday Next noch nicht kennt, sollte mit Band eins der Serie, „Der Fall Jane Eyre“, beginnen. Wer sie kennt, weiß auch, was ihn erwartet: eine völlig durchgeknallte Story mit irrwitzigen Ideen und vielen Anspielungen auf (englische) Literaturklassiker. Die Handlung kurz nachzuerzählen ist eher sinnlos, es gibt zu viele Details und überraschende Wendungen. Den roten Faden stellt der zeitliche Rahmen dar, es geht um ein paar aufeinanderfolgende Tage in Thursdays Leben. Aber selbst das ist dank Zeitreisen und ChronoGarde nicht ganz so eindeutig.

Ich bin jedes Mal wieder fasziniert. Sehr feine Unterhaltung, und das Erkennen der literarischen Anspielungen ist ein zusätzliches Schmankerl.

hirnloses robben
Leser-Welt
Papiergeflüster
Hallo Buch

mau hat dazu aufgerufen, von den persönlichen Kindheitshelden zu erzählen. Eine gute Idee, der schon viele Blogger gefolgt sind.

Die Helden meiner Kindheit bestanden natürlich aus Text. Sicher, ich mochte auch Fernsehserien, aber die bleibenden Erinnerungen beziehen sich auf Bücher.

Pippi Langstrumpf und Huckleberry Finn

Warum ich die beiden, doch sehr unterschiedlichen Charaktere, in einen Topf werfe? Weil sie den Gegenentwurf zu meiner behüteten Kindheit darstellten. Ich glaube, gerade deswegen habe ich sie so geliebt. „Meine“ Pippi sieht selbstverständlich nicht so aus wie im Fernsehen, sondern so:

Hanni und Nanni
Ja eh. Heute nicht mehr ganz nachvollziehbar, aber was soll’s. Um mir einen neuen Band kaufen zu können, habe ich mein Taschengeld gespart. Ich habe wirklich gesammelt, langsam, aber beharrlich.
Klar wollte ich ins Internat. Und einmal haben meine Schwester und ich gemeinsam eine Mitternachtsparty veranstaltet. Unser Vater hat uns erwischt, aber nach der Erklärung mitgefeiert.

Siegfried, Roland, Dietrich, Gudrun,…
Ich meine die Sagengestalten, zB aus der Nibelungensage, und, ganz wichtig, in der Bearbeitung von Auguste Lechner.
Ich glaube, die Rolandssage war überhaupt das erste Buch ohne Happy End, das ich gelesen habe. Ein schwerer Schock.

Wenn ich Auguste Lechner nenne, darf Karl Bruckner nicht fehlen. „Der goldene Pharao“ hat mich tief beeindruckt, und „Sadako will leben“ ist eines der wenigen Bücher, bei denen ich hemmungslos geheult habe. Aber diese Bücher habe ich gelesen, als ich schon ins Gymnasium ging, also gegen Ende der Kindheit.

Dieses Hörspiel ist wieder einmal aus „Die große Abenteuer-Hörspiel-Kiste“. Mit 99 Minuten Laufzeit ist es ca eine halbe Stunde kürzer als alle anderen, und es ist das einzige, wo nicht Sven Stricker, sondern Robert Schoen Regie führte.

Ich mag Huck Finn, aber 99 Minuten sind für mich einfach zu kurz. Kaum hat man reingehört, ist es auch schon wieder vorbei. Sorry, so geht das nicht.
Die Sprecher sind eigentlich recht gut ausgewählt, die musikalische Umrahmung passend, der Geschichte wird auch nicht Gewalt angetan.

Dennoch: wegen der Länge bin ich unzufrieden. Eine unerwartete Enttäuschung

Handlung auf Wikipedia
Hörverlag mit Hörprobe
ratgeberspiel.de
Ifak

Ich habe mir dieses Buch für den Jahreswechsel aufgehoben, dann aber keine Lust auf Anspruchsvolleres gehabt. Macht nichts, denn die Rahmenhandlung spielt zwar zum Jahreswechsel 1978/79, der Rest hat aber mit dem Winter nicht viel zu tun.

Zunächst zum Aufbau: die vier Kapitel der Rahmenhandlung heißen alle „Schnee“, dazu gibt es – abwechselnd – drei Kapitel mit den Titeln „Okarina“, „Unterwegs“ und „Ebbe und Flut“.
Erzählt wird eine Familiengeschichte, die einer Wirtsfamilie in Norddeutschland an der dänischen Grenze, uns zwar aus der Sicht von Jannis, dem Ziehsohn. Zu Kriegsende wurde er von Paul, dem Vater, in die Familie gebracht. Während er zu Paul ein enges Vater-Sohn-Verhältnis entwickelt, bleibt dessen Frau für ihn immer die „Chefin“. Zwei weitere leibliche Kinder, einen Sohn und eine Tochter, gibt es auch noch.
Am Anfang wirkt alles recht harmonisch, im Laufe der Zeit entstehen immer tiefere Gräben, die Familie wird sozusagen in zwei Teile gespalten. Während die Chefin sich um das Gasthaus und die Versorgung der Familie kümmert, widmet Paul immer mehr Zeit und Geld der Erforschung der örtlichen Geschichte, vor allem der versunkenen Stadt Rungholt. Jannis begleitet ihn dabei, die anderen Familienmitglieder reagieren eher mit Unverständnis. Und zum Jahreswechsel 78/79 spitzen sich die Dinge zu.

Mich hat diese Geschichte trotz einiger Verständnisschwierigkeiten am Anfang beeindruckt. Mir war zB nicht klar, ob Jannis ein Buben- oder ein Mädchenname ist, und auch Begriffe wie „Hallig“ oder „Priel“ sind mir nicht geläufig (wenn ich auch zugeben muss, dass ich in Geographie peinlich ungebildet bin). Wenn ein Buch so starke regionale Bezüge hat, wäre ein Glossar sehr hilfreich.

Christophersen ist ein ruhiger, bedächtiger Erzähler, einer, der sehr viel Wert auf Stimmungen legt. Vieles bleibt in diesem Buch unausgesprochen und der Phantasie des Lesers überlassen, dennoch hatte ich nie den Eindruck, dass Wichtiges ausgespart wurde. Am Ende wird kein Erzählstrang vergessen, aber nicht alles erklärt.

Fazit: ein starkes Debut, übrigens auch optisch schön gestaltet. Das schwarz-weiß-grau-Cover mit Wolken, Meer und Schnee gefällt mir sehr gut.

Homepage des Autors
Interview mit dem Autor
hr-online
Perlentaucher
sf magazin
Literaturwelt

Was ist eine inszenierte Lesung? In diesem Fall eine Mischung aus Lesung und Hörspiel. Es gibt keine vom Hörspiel gewohnten Effekte wie Musikuntermalung, dafür haben die wichtigsten Personen des Buches eigene Stimmen. Es lesen/sprechen zB Christian Brückner oder Dieter Mann.
Die Laufzeit beträgt ungefähr 290 Minuten, die Tracks sind ca alle fünf Minuten gesetzt.

Es geht um einen alten Mann, der aus dem Koma erwacht und sich an nichts Persönliches mehr erinnern kann. Langsam versucht er, sein Leben zu rekonstruieren, oft auch anhand der Literatur.

Nicht uninteressant. Und doch bin ich beim Hören zwischen der Einschätzung „Highlight“ und „völliger Schrott“ hin- und hergependelt. Manchmal ist die Geschichte intensiv, originell, fesselnd, manchmal einfach nur blöd.
Zusätzlich genervt war ich von der Ausnutzung des Stereo-Effekts. Ein Gefühl, als würden mir abwechselnd zwei verschiedene Menschen einmal ins linke, einmal ins rechte Ohr flüstern, schlicht irritierend.

Handlung (Wikipedia)
carpe librum
Perlentaucher
Dieter Wunderlich

Ricarda von “Blogblume” veranstaltet zum wiederholten Male die Blogblumenparade (entdeckt bei Vienna Writer’s Blog).
Die Teilnehmer generieren hier eine Art Blume, eine visuelle Umsetzung des Blogs, und veröffentlichen diese. Manche beteiligen sich schon länger, so kann man die Entwicklungen erkennen.

Hübsches Spielzeug.

So schaut mein Blog als Blume aus (die Bedeutung der Farben sieht man auf der oben verlinkten Seite):

Gekürzte Fassung, Dauer ca 280 Minuten, gelesen von Mirjam Weichselbraun

Die Geschichte von Andrea Sachs, die Assistentin von Miranda Priestly, Herausgeberin der Modezeitschrift „Runway“, wird und sich mit den unmöglichen Aufträgen ihrer Chefin (schlechte Behandlung inklusive) plagt, ist wohl spätestens seit dem Film allgemein bekannt. Eine ziemlich böse Story, aber spritzig und amüsant. Was mich überraschte war, dass zwar peinliche Situationen beschrieben werden, aber kein Anlass zum „Fremdschämen“ bestand.

Mirjam Weichselbraun liest so herzig wie sie moderiert. Einfach niedlich. Ihre Stimme passt meiner Meinung nach auch sehr gut zur jungen, naiven Ich-Erzählerin Andrea.

Es wäre Chick-Lit wie sie sein soll: oberflächliche, aber gute Unterhaltung, wenn, ja wenn… die Darstellung von berufstätigen Frauen nicht gar so unakzeptabel wäre. Ich weiß sehr wohl, dass das Ganze als Satire mit eindeutigen Anspielungen auf reale Personen zu lesen ist, das ändert aber nichts an meiner Beurteilung.
Miranda, die erfolgreiche Herausgeberin, wird als durchgeknallt und fies dargestellt – eine andere Möglichkeit, eine anstrengende Vorgesetze zu portraitieren, fand Weisberger nicht? Und Andrea, anfangs ehrgeizig und zielstrebig, entscheidet sich am Ende „richtig“ (nach der Logik der Geschichte) für Freunde und Familie und gegen Karriere, wirft einfach weg, wofür sie ein Jahr lang schwer geschuftet hat. Die Moral aus der Geschicht ist mir zu eindeutig: Ehrgeiz bekommt Frauen nicht.

Verlagsinfo plus Hörprobe
Sauber eingeschenkt (Hörbuch)
Buchkritik.at (Buch und Film)
Perlentaucher (Buch)

„Der Metzger sieht rot“ ist Band zwei einer Serie, die Fortsetzung von “Der Metzger muss nachsitzen“.

Rot sieht Willibald Adrian Metzger weil seine Freundin Danjela zusammengeschlagen wurde und nun im Koma liegt. Natürlich macht er sich – behäbig, aber gründlich – auf die Suche nach dem Täter und kümmert sich auch gleich noch um den Tod eines Fußballers, dem offensichtlich Danjela nachgegangen ist.

Ein Fußballkrimi also. Und Homöopathie kommt gut weg. Und das Ende ist unbefriedigend. Eigentlich ein klarer Fall von „nichts für mich“. Als wäre das nicht genug, erzählt Raab ausschweifend und detailverliebt, die Krimihandlung scheint ihn gelegentlich überhaupt nicht zu interessieren. Lieber lässt er sich über Ausländerfeindlichkeit, Theaterstücke oder Scheinmoral aus.

Ich mag’s trotzdem. Ich mag Raabs Wortkreationen, seinen Humor, seine abschweifende Art zu erzählen, seine Gesellschaftskritik, sein Nichtverleugnen des Österreichischen ohne ins Lokalkolorit abzurutschen und seinen Stil.

Fazit: wem der erste Band gefiel, der sollte auch diesen lesen

Wiener Zeitung
Krimi-Couch
Watching the detectives
Ebensolch
Krimikiste

Shane Jones wurde 1980 in Albany, New York, geboren. „Thaddeus und der Februar“ ist sein erstes Buch und erschien erstmals 2009 unter dem Titel „Light Boxes“. Die Filmrechte sind bereits an Spike Jonze („Wo die wilden Kerle wohnen“) verkauft.

In einer namenlosen Stadt herrscht seit über einem Jahr der (personifizierte) Februar. Die Bevölkerung leidet an der andauernden Kälte und dem Schnee, aber es passieren auch viele merkwürdige Dinge. Kinder verschwinden, das Fliegen ist verboten, eine Moosplage quält Mensch und Tier, der Himmel hat zwei Löcher,…
Eine Gruppe ehemaliger Ballonfahrer beschließt, dem Februar den Krieg zu erklären. An ihrer Spitze steht Thaddeus, der es auch schafft, bis zum Februar vorzudringen. Auch die verschwundenen Kinder, die die Stadt untertunnelt haben, haben einen Plan.

Ich habe dieses Buch anfangs für ein Kinderbuch gehalten. Auch wenn viele märchenhafte Elemente vorkommen, ich wäre vorsichtig, es einem Kind zum Lesen zu geben. Zu groß ist die Alptraumgefahr, zu viele extrem grausame Dinge passieren: Kinder verschwinden, andere Kinder drehen Eulen die Hälse um, Menschen sterben mit Schnee im Mund, ein Mann wird mit aufgeschlitztem Leib gefunden (das ist sogar illustriert). Auch wenn das alles relativiert wird – die Toten sind am Ende wieder lebendig – und es in den bekannten Märchen ebenfalls nicht zimperlich zugeht, sind das heftige Szenen.

Das liegt auch daran, dass Jones eine sehr bildhafte Sprache benutzt. Man hat beim Lesen den Eindruck, in ein surrealistisches Bild gestiegen zu sein. Die Regeln der Logik und Naturgesetze sind außer Kraft, nicht aber die innere Logik der Geschichte.
Mit einfachen Sätzen (man lasse sich bloß nicht von der vordergründigen Einfachkeit täuschen!) schafft es der Autor, die trostlose Februar-Stimmung den gesamten Roman über aufrecht zu erhalten.

Andere Stilmittel sind eher der experimentellen Literatur zuzuordnen: unterschiedliche Schriftgrößen, auf manchen Seiten ist nur ein einziger Satz, immer wieder sind Listen in den Text eingefügt.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven (insofern ist der deutsche Titel, der auf Thaddeus verweist, irreführend), immer in kurzen, wechselnden Passagen. Auf diese Art fügt der Autor eine Art Mosaik, das am Ende ein stimmiges Bild ergibt, zusammen.

Fazit: ein überraschendes Buch, märchenhaft, poetisch, surrealistisch, verstörend und intensiv.

Ich habe ein Rezensionsexemplar gelesen, „Thaddeus und der Februar“ wird passend zum Titel im Februar 2010 erscheinen.

Website zum Buch mit Autorneninterview und Leseprobe
Blog des Autors
Papiergeflüster
Gently Read Literature
Ridivider

Beim Lesen von Krimis, Morden, Gruselszenen bin ich eigentlich nicht besonders empfindlich. Ab und zu graust mir, das war’s schon.

Diesmal habe ich beim Hören etwas völlig Neues erlebt: mir wurde bei den Beschreibungen leicht übel. Das brauche ich wirklich nicht, daher ganz schneller Abbruch des Hörbuchs.

Vorablesen (Leseprobe, Hörprobe, Rezensionen)
Homepage des Autors

Den bekannten Film habe ich nie gesehen, das Buch nach wenigen Seiten abgebrochen, aber das Hörbuch hat mich restlos begeistert. Dominic Raacke liest, etwas über 460 Minuten dauert’s.

Und wie Raacke liest! Kein falscher Ton, keine falsche Betonung, kein bemühtes Ändern der Stimme… es passt einfach alles. Die beklemmende Psychiatrie-Geschichte entfaltet sich so und zog mich in ihren Bann. Beim Lesen hat mich das Altmodische der Story (die Geschlechterrollen sind schon sehr antiquiert) sehr gestört, beim Hören nicht.

Fazit: empfehlenswertes Hörbuch

Wikipedia
Die Bücherwand (zum Buch)
Lesekreis
RocknRoll Reporter

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